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ZÜRICH/ Opernhaus: ANNA BOLENA- Premiere – In Memoriam Edita Gruberova

06.12.2021 | Oper international

Gaëtano Donizetti: Anna Bolena • Opernhaus Zürich • Premiere: 05.12.2021

In Memoriam Edita Gruberova

«Donizettis Anna Bolena gehörte zu den Paraderollen der kürzlich verstorbenen Edita Gruberova. Im Gedenken an die Sopranistin widmet ihr das Opernhaus die Premiere seiner Neuproduktion.»

Immerhin hat es für ein paar Worte des Intendanten und eine Schweigeminute im Sitzen gereicht. Der im Vorjahr verstorbene Nello Santi, dem das Opernhaus Zürich mindestens so viel zu verdanken hat, wurde nur mit warmen Worten gewürdigt, denn das ihm zugedachte und dann Corona zum Opfer gefallene Gedenkkonzert wurde sang- und klanglos vergessen.

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Foto © Schwiertz

Mit «Anna Bolena» hat nun (nach der «Maria Stuarda» der Saison 2017/2018) ein weiterer Teil von Donizettis Tudor-Trilogie am Opernhaus Zürich Premiere gehabt: Die Regie stammt von David Alden, die Ausstattung Gideon Davey. So gibt es ein Wiedersehen mit dem grossen, gefängnisartigen Raum mit den weissen Steinmauern und dem Prinzip, dass Versatzstücke dann wieder die entsprechende Atmosphäre schaffen. Dazu gehört jetzt unter Anderem ein gothisierender Königsthron, auf dem sich während der Ouvertüre Annas Tochter Elisabeth vor ihren Erfahrungen im Königshaus, seien es die der Erinnerung (sie hält sich die Ohren zu) oder die der Gegenwart (Annas Bruder Rochefort wird als geistesschwacher Pädophiler eingeführt). Weiter gibt es eine dunkle Nussbaum-Wand, aus der der Chor das Geschehen beobachten und kommentieren kann oder für die Jagdszene eine Rasenteppich und ausgestopfte Greifvögel. Alden inszeniert nach dem Libretto mit mehr oder weniger englisch-schrägen Details. Die Kostüme sind ein Potpourri vom Mittelalter bis in die Gegenwart.

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Foto © Toni Suter

Diana Damrau vermag es leider nicht, als Anna Bolena zu überzeugen. Rein technisch gesehen ist alles da, was nötig ist. Die Stimme ist aber zu klein und hat zu wenig Volumen. An diesem Abend vermag sie im Haus nicht zu tragen. Hinzu kommt, dass die Stimme viel zu schwerfällig geführt ist. Es fehlt die Flexibilität, die zum Belcanto zwingend dazu gehört. Gegen Ende des Stücks gibt es wiederholt Momente, wo die Grenze zwischen belcantistischer Emotion und schlichtem Verismo überschritten wird. Karine Deshayes gelingt es nicht, ihre Stimme der Grösse des Zürcher Hauses anzupassen. So singt sie permanent zu laut. Zudem scheint sie nicht den besten Abend erwischt zu haben, denn die Stimme klingt unangenehm scharf – messerscharf. Luca Pisaroni gestaltet als Enrico eine Despoten auf dem Höhepunkt seiner Kräfte. Leider mit den falschen Mitteln, denn wer am lautesten schreit hat nicht zwingend am meisten zu sagen. Stanislav Vorobyov gibt einen in diesem Kreis angenehm unauffälligen Lord Rochefort. Alexey Neklyudov kann als Lord Riccardo Percy überzeugen: mit seinem kräftigen, hellen Tenor mit viel Schmelz interpretiert er die Partie stilistisch absolut adäquat. Nadezhda Karyazina könnte als Smeton die Entdeckung des Abends sein. Könnte, wäre da nicht das alles dominierende Vibrato. Nathan Haller ergänzt als Sir Hervey das Ensemble.

Ernst Raffelsberger hat den Chor der Oper Zürich bestens einstudiert. Der Statistenverein am Opernhaus Zürich trägt zur Belebung der Bühne bei.

Die Philharmonia Zürich spielt unter Leitung von Enrique Mazzola konzentriert und mit viel Brio. Belcanto ist das leider nicht, denn es ist keine Sängerbegleitung. Es tönt, als hätte zwischen Graben und Bühne keine Abstimmung, als hätten keine gemeinsamen Proben stattgefunden. Es gehört auch zur Aufgabe des Dirigenten, die Sänger auf die Lautstärke hinzuweisen. Das Opernhaus Zürich ist nicht die deutsche Oper und nicht die MET. Mazolla hat oft genug in Zürich dirigiert, um das bewerkstelligen zu können.

Szenisch na ja, musikalisch ebenso wenig zwingend.

Weitere Aufführungen:

Do.09. Dez., 19.00; Di. 14. Dez., 20.00; Sa. 18. Dez., 20.00; Do.23. Dez., 19.00; Mi.29. Dez., 19.00;

So. 02. Jan., 14.00; Mi. 05. Jan., 19.00; So. 09. Jan., 20.00; Do.13. Jan., 19.00.

06.12.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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