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ZÜRICH/Opernhaus: 3. LA SCINTILLA-KONZERT: A NIGHT AT THE OPERA-PIT

08.03.2022 | Konzert/Liederabende
  1. La Scintilla-Konzert: A night at the opera-pit • Opernhaus Zürich • 07.03.2022

«Eine Nacht am Orchestergraben»

Das 3. Konzert des Orchestra La Scintilla versammelt unter dem Titel «Eine Nacht am Orchestergraben» (so die Übersetzung im Programmheft) Gelegenheits-Werke von Komponisten, die durch ihre Opern bekannt sind. Bei Verdi, Wagner und Puccini ist das der Fall. Händel ist im protestantischen Zürich mindestens so sehr durch seine Oratorien bekannt. Hasse kennen wohl nur die Fans und Spezialisten.

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Mahan Esfahani: Foto © Petra Hajská

Der Abend beginnt mit der Sinfonia op. 3, Nr. 3 in D-Dur von Johann Adolf Hasse (1699-1783), die der Komponist dann auch als Ouvertüre zu seiner Oper «Cleofide» (1731 in Dresden uraufgeführt) verwendete. Dieses Werk, als Einleitung zu einer Oper, im Italienischen «sinfonia» genannt, steht für den Beginn der Geschichte der Symphonie als eigener Gattung. Die Orchesterfassung von Giuseppe Verdis (1813-1901) Streichquartett in e-Moll führt das Publikum dann in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Entstanden ist das Werk 1873 in Neapel. Mit den Satzbezeichnungen «Scherzo» und «Fuga», aber auch stilistisch, nimmt Verdi Bezug auf die Wiener Klassik. Die Aufführung in grosser Besetzung geht auf Arturo Toscanini und das für ihn gegründete NBC Symphony Orchestra, vielleicht sogar auf Verdi selbst zurück. Georg Friedrich Händels (1685-1759) Orgelkonzert op. 4, Nr. 4 in F-Dur mit Mahan Esfahani als Solist (über den Typ der Orgel schweigt sich das Programmheft leider aus) setzt den Schlusspunkt im ersten Teil. Händels Orgelkonzerte haben keine liturgische oder religiöse Bedeutung: sie entstanden ab 1735, nachdem auch Händels zweite Akademie gescheitert war, als Zwischenaktmusiken zu den Oratorien, in denen Händel seine neue (erfolgreiche) Berufung gefunden hat.

Giacomo Puccinis (1858-1924) «Crisantemi» leitet den zweiten Teil des Abends ein. Der kurze Einzelsatz für Streichquartett, der schon zu Lebzeiten des Komponisten auch in orchestrierten Fassungen aufgeführt wurde, entstand 1890 aus Anlass des Todes (daher die titelgebenden Trauerblumen) von Amadeo Ferdinando di Savoia, dem zweiten Sohn des ersten italienischen Königs Vittorio Emanuele II (kein Tippfehler, aber das ist eine andere Geschichte…). Gegen Ende des Satzes sind jene Wendungen zu erahnen, die Puccini in seiner «Manon Lescaut» (1893) wieder aufgreifen sollte. Richard Wagners «Siegfried-Idyll» (uraufgeführt am 25. Dezember 1870) in Orchesterfassung bildet den Abschluss des Abends. Mit diesem sich auf die Liebe von Brünnhilde und Siegfried wie auch seinen ersten Sohn Siegfried beziehenden «Dank in Tönen», hoffte Wagner auf ein eigenes Idyll mit der noch bis 1869 mit Hans von Bülow verheirateten Cosima, die er am 25. August 1870 in Luzern ehelichte.

Während die Werke des ersten Konzert-Teils zweifelsfrei zum Repertoire des Orchestra La Scintilla passen, erschliesst sich die Programmierung des zweiten Teils nur bedingt. Die Stücke passen sicher zum Titel des Abends. Die Wirkung historischer Instrumente aber ist marginal, da die Komponisten bei ihrer Konzeption «moderne» Orchester im Ohr gehabt haben dürften.

Das Orchestra La Scintilla unter seinem künstlerischen Leiter Riccardo Minasi musiziert den Abend mit viel Spielfreude und Leidenschaft. Mahan Esfahani überzeugt im Orgelkonzert mit grosser Virtuosität.

4. La Scintilla-Konzert «Johann Christian Bach» am 4. April 2022

08.03.2022, Jan Krobot/Zürich

 

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