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ZÜRICH/ Operhaus: LA SCINTILLA-KONZERT – „Eine kleine Nachtmusik“

30.06.2021 | Konzert/Liederabende

La Scintilla-Konzert «Eine kleine Nachtmusik», Opernhaus Zürich, Konzert: 29.06.2021

 

Eine ganz grosse Nachtmusik

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Foto © Opernhaus Zürich

Unter Leitung von Konzertmeisterin Hanna Weinmeister beendet das Orchestra La Scintilla die Saison unter dem Titel «Eine kleine Nachtmusik» mit einem Konzert mit Divertimenti und Serenaden von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791) und Joseph Haydn (1732-1809). Die Begriffe Cassation, Divertimento, Notturno und Serenade wurden und werden nicht immer trennscharf eingesetzt, beschreiben aber grundsätzlich unbeschwerte, charmante, häufig im Freien aufgeführte, gehobene festliche Unterhaltungsmusik bürgerlicher und höfischer Kreise. Die Stücke umfassen bis zu sieben Einzelsätze für orchestrale Besetzung.

Mozarts «Divertimento D-Dur, KV 136 (1. Allegro – 2. Andante – 3. Presto)» entstand 1772 nach der Italienreise, in deren Rahmen seine Oper «Lucio Silla» (KV 135) uraufgeführt wurde. Mozart brachte hier zu Papier, was er auf der Reise in sich aufgesogen hatte. Haydns «Cassatio (Divertimento) G-Dur, Hob. II: 2 (1. Scherzo – 2. Allegro moderato – 3. Menuett – 4. Adagio – 5. Menuett – 6. Finale)» hat Haydn spätestens im Jahr 1754 komponiert. Der Beginn des ersten Satzes ist möglicherweise von einem slawischen Trinklied abgeleitet. Über die Entstehung des Begriffs Kassation ist sich die Wissenschaft einig. Wird „Kassation“ als Synonym für ein Divertimento oder ein Notturno, das im Freien aufgeführt wurde, betrachtet, ist die Herleitung vom küchenlateinischen «gassatim», «in der Gasse», durchaus plausibel. Mozarts «Serenade D-Dur (Serenata notturna), KV 239 (1. Marcia, Maestoso – 2. Menuetto, Trio – 3. Rondo, Allegretto)» entstand im Januar 1776. Mit dem Einsatz von Pauken ist sie keine klassische Serenade; die Musik ist vom Modell des barocken «Concerto grosso» geprägt und lebt vom Einsatz der Streicherhauptgruppe mit der Pauke und des Kammerorchester (zwei Violinen, Viola und Kontrabass.

Haydns «Violinkonzert G-Dur, Hob. VIIa: 4 (1. Allegro moderato – 2. Adagio – 3. Allegro)» entstand vermutlich Anfang der 1760er-Jahre und erschien 1769 im Druck. Der Solo-Part erinnert stark an die Opernarien jener Zeit. Mozart stellte seine «Serenade für Streicher Nr. 13 (Eine kleine Nachtmusik), KV 525 (1. Allegro – 2. Romance, Andante – 3. Menuetto, Allegretto, Trio – 4. Rondo, Allegro)» am 10. August 1787, als mitten in der Arbeit an «Don Giovanni» (KV 527), fertig. Entstehung, Anlass, Auftraggeber und Uraufführung des Werkes sind nicht belegt, so dass Spekulationen Tür und Tor geöffnet sind.

Das Orchestra La Scintilla hat den Lockdown bestens überstanden und begeisterte durch eine ausserordentlich lebendige Spielfreude und einen wunderbar herben Klang. Hoch konzentriert wurde musiziert und so waren die einzelnen Instrumente immer bestens herauszuhören und das Musizieren immer als Einheit wahrnehmbar. Der Solopart von Haydns Violin-Konzert war bei Hanna Weinmeister in besten Händen.

Mit dem Andante aus Mozarts «Cassation in G-Dur KV 63» als Zugabe endete ein grossartiger Abend.

Eine ganz grosse Nachtmusik!

30.06.2021, Jan Krobot/Zürich

 

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