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ZÜRICH ( Operettenbühne Homrechtikon: ZAR UND ZIMMERMANN – eine Lanze für Lortzing

12.10.2014 | KRITIKEN, Oper

Zürich: ZAR UND ZIMMERMANN – Operettenbühne Hombrechtikon 11.10.2014

Eine Lanze für Lortzing

http://www.operette-hombrechtikon.ch/images/galerie/gross/2014_zuz/zuz_04.jpg
Erich Bieri als köstlicher Van Bett. Copyright: Operettenbühne Hombrechtikon

Kleinere Musiktheater-Unternehmungen, die weitgehend von ehrenamtlicher Hingabe und wenig öffentlicher Unterstützung leben und dabei Erstaunliches auf die Beine stellen, gibt es in der Schweiz doch noch Einige. Dabei wird vornehmlich das Operetten-Repertoire gespielt, aber auch wenig bekannte Werke, die die grossen Bühnen schon gar nicht mehr auf ihren Spielplan setzen. Dort widmet man sich lieber denjenigen Werken, die die hohen Kosten auf jeden Fall unter Beizug von grossen Namen einspielen. Zudem halten sich die Inszenierungen in diesen „Klein-Unternehmungen“ eher an die konventionelle Lesart. Und man stellt fest, dass das sogenannt breite Publikum, das in diese Aufführungen strömt und die oft nicht in weniger als 20 Aufführungen en-suite gespielten Werke besucht, den „direkten Zugang“ wohl einer verquasten Regie  vorzieht.

Nun hat sich die Operettenbühne Hombrechtikon dem ehrgeizigen Unterfangen verschrieben, Lortzings „Zar und Zimmermann“ auf die Bühne zu bringen. Da bekanntlich das sog. Leichte das Schwere ist, weiss man schon von der Umsetzung einer Operette, geschweige denn von der Spiel-Oper des „romantischen Mozart“, wie Lortzing mitunter genannt wurde. Das kam einem Griff nach den Sternen gleich. Und dieser Bühne gelang recht gut, was subventionierten Staatsbühnen oft nicht gelingt. Nämlich, den Charme dieser unbeschwert naiven Oper – hier wirklich nicht negativ gewichtet – rüberzubringen. Dies bedeutet, dass das ganze Ensemble von dieser Unternehmung auch überzeugt ist. Und das spürt man in diesem Fall in jeder Faser. Schon das überraschend gut aufspielende Orchester (Die hier eingesetzten sechs ersten Geigen genügen absolut für Lortzing!) unter der engagierten Leitung des Dirigenten Caspar Dechmann garantierte einen ständigen Fluss der Aufführung. Der Chor der Operettenbühne löste seine Aufgabe wirklich hervorragend, alle Einsätze sassen. Und rhythmisch könnten sich professionelle Chöre hier manchmal eine Scheibe abschneiden. Ganz witzig, gut gesungen und getanzt (Choreographie: Kimi Fiebig) war der Holzschuhtanz! Der Tenor Volker Vogel, jetzt szenischer Leiter an der Musikalischen Komödie Leipzig, bot eine Inszenierung, die den naiven Reiz dieses Werks ausmacht: : anmutig gemalte Bühnenprospekte (Bühnenbild: Fred A. Krauss) mit holländischen Motiven (Windmühlen!, Kanäle etc.), hübsche Kostüme für Chor (mit den neckischen Häubchen für den Damen) und für die Solisten prachtvoll für Van Bett und den richtigen Zar (Kostüme: Monika Schmoll).  So lässt man sich dieses schöne und leider heutzutage oft unter seinem Wert gehandelte und leider verkannte Werk Lortzings gefallen.

Von den Solisten wurde durchweg gut bis sehr gut gesungen. Die kleinen Partien waren gut besetzt – da hörte man in wenigen Tönen oft schöne Stimmen – und die Solisten kamen aus allen Windrichtungen. Allen voran war Erich Bieri ein köstlicher Van Bett, der mit ausgeglichener und tragfähiger Stimme in optimaler Wortverständlichkeit einen Bürgermeister auf die Bühne stellt, der eben nicht nur eitel und „von Amtes wegen ganz aufgeblasen“, sondern eben bei aller Komik immer noch eine „Standsperson“ war. Eine sehr schöne Leistung. Als echter Zar Peter Michailow stellte Jonathan Sells mit seiner imposanten Körpergrösse einen respektheischenden Zaren dar. Er sang mit schlank geführtem Bariton, sauber und ohne Drücker, allerdings dürfte er seiner schönen Stimme etwas mehr Raum geben. Die wunderbare Arie „Einst spielt ich mit Zepter“ gestaltete er mithilfe des vor allem in dieser Arie einfühlsam begleitenden Dirigenten Caspar Dechmann in schlichter Liedform und daher auch echt und ergreifend. Also Peter Iwanow war Fabio De Giacomi schon vom Auftreten her ein echter Buffo, war spielfreudig und vermochte mit seinem Temperament – manchmal zu umtriebig – im Ganzen zu überzeugen. Seine Marie war mit Dorothee Velten akzeptabel besetzt: sie ist hübsch, bewegt sich gut und sang in ordentlicher Soubretten-Manier die Partie. Erst im Laufe der Aufführung  konnte sie sich steigern und ihr apartes Timbre zum Glänzen bringen. Als Châteauneuf war Daniel Zihlmann sicher einer der erfahrensten Sänger auf der Bühne, aber mit seinem schwer gewordenen Tenor für die hohe lyrische Partie nicht mehr geeignet. Als englischer Gesandter Lord Syndham liess Ulrich Acola einen gerundeten, wenn auch nicht grossen Bass hören, Barbara Schröder war als Witwe Browe eine richtige „Gschaftlhuberin“ und Simon Robinson machte als Einspringer für Jürg Krattinger seine Sache gut. Also alles in Allem eine höchst erfreuliche Angelegenheit – und eines war gewiss: Das Publikum erfreute sich an der hübschen Aufführung und ging beschwingt nach Hause. Das ist doch auch Etwas, nicht wahr?

John H. Mueller

 

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