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ZÜRICH: DIE FRAU OHNE SCHATTEN

23.11.2014 | Allgemein, Oper

Zürich: DIE FRAU OHNE SCHATTEN – Wiederaufnahme 22.11.2014

Erstmaliges Auftreten von Evelyn Herlitzius als grossartige Färberin am Opernhaus Zürich

Unbenannt
Emily Magee. Copyright: Suzanne Schwiertz

Die von David Pountney in einer fantastisch imaginären Bilderwelt von Robert Israel (Bühnenbild) sich abspielende Produktion hat sich prima gehalten und nichts von ihrer Stringenz verloren. Kompliment an die Wieder-Einstudierung dieser gewaltigen „Opernkiste“ unter Leitung von Sylvie Döring. Da gibt es Verwandlungen, im 3. Aufzug sogar eine Drehbühne, hinreissende Bilder, die wirklich in die untergehende Kaiserzeit von 1919 – dem Jahr der Uraufführung – mit ihrer Stilmischung aus Jugendstil und Orientalismus, realen und surrealen Bilderwelten passen. Darin agiert weitgehend das Ensemble der Premiere von 2009. So erleben wir die stimmlich, vor allem in den extremen Höhen triumphierende und auch in Erscheinung schöne Kaiserin von Emily Magee – sicher hier in einer ihrer allerbesten Partien – und als berührende Darstellerin. Als ihr Kaiser ist wiederum Roberto Saccà ein immer wieder erstaunlicher Sänger, der die heikle Partie auch in den schwierigsten Passagen musikalisch und gesanglich sicher und wohlklingend gestaltet. Die Amme von Birgit Remmert ist wieder die gefährliche Erscheinung, stimmlich kann man – wenn man will – einige Abstriche machen. Die exponierte Passage „Übermächte sind im Spiel!“ präsentierte sie eindrucksvoll und steigerte sich im dritten Aufzug grandios. Der Geisterbote von Reinhard Mayr konnte sich nach einem schwächeren ersten Auftritt (wohlgemerkt auf hohen Stelzen und mit schwarzen Flügeln!) bis zum dritten Akt steigern. Ein grosses Lob gibt es auch für die Darstellerin des Falken, die Tänzerin Beate Vollack, die in atemberaubender Höhe und ohne Seilabsicherung dem Falken ihre Gestalt verlieh (zuerst in rotem, dann in weissem Kostüm), gesungen von Hamida Kristoffersen, welche auch den Hüter der Schwelle übernahm. Sehr gut auch der Jüngling, der zuerst von einem Tänzer, dann vom Tenor Yujoong Kim perfekt „gedoubelt“ wurde. Stimmlich ausgewogen sangen die drei Wächter das Finale des ersten Aufzuges: Ivan Thirion, Roberto Lorenzi und Oleg Loza, gut auch die drei ungleichen Brüder von Valery Murga, Wenwei Zhang und Airam Hernandez. Judit Kutasi war die wohlklingende Stimme von oben. –

Thomas Johannes Mayer hat nun von Michael Volle den Barak übernommen und überzeugte durch seine betont zurückhaltende und sympathische Darstellung und mit wunderschön geführtem Bariton. Das Glanzlicht des Abends wusste Evelyn Herlitzius als Färberin aufzusetzen. Wie diese schlanke und zierliche Frau spielt und singt, das ist schon wahrlich ein Gesamtkunstwerk. Das stimmt jede Geste, jede Kopfdrehung, jeder Schritt (fabelhaft ihr Tanz, wo es ihr wie ein Schaudern durch den Körper fährt) und was diese Künstlerin an Energie ausstrahlt, ist schon ganz einmalig. Dazu kommt eine gesangliche Leistung, die einfach als ausserordentlich zu bezeichnen ist, wenn auch hie und da eine gewisse Schärfe nicht zu überhören ist. Hinreissend ihr stimmlicher Aufstieg (in der ersten Szene mit Jüngling) zum hohen h‘! – Anstelle unseres GMD Fabio Luisi, der aus familiären Gründen kurzfristig absagen musste, übernahm Peter Tilling die musikalische Leitung und er tat dies auf höchst beeindruckende Weise. Wie er immer wieder Dynamik und Spannung neu aufbaut und dabei den grossen Bogen über das ganze Werk (hier wie üblich in bühnenmässig praktikabler Kürzung) spannt, war schon die „halbe Miete“ dieses grossen Opernabends. Die Philharmonia Zürich spielte unter seiner inspirierenden und kontrollierten Leitung farbenreich und mit üppigem Klang auf. Der Chor und viele Zuzüger (Leitung: Ernst Raffelsberger) bewältigten die heiklen Einsätze auch aus dem Off sicher und tonschön.

John H. Mueller

 

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