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ZORN DER TITANEN

27.03.2012 | FILM/TV

Ab 30. März 2012 in den österreichischen Kinos
ZORN DER TITANEN
Wrath of the Titans  /  USA  /   2012
Regie: Jonathan Liebesman
Mit: Sam Worthington, Rosamund Pike, Liam Neeson, Ralph Fiennes u.a.

An „lauten“ Filmen herrscht kein Mangel, aber man erinnert sich kaum, dass es in letzter Zeit je dermaßen permanent ohrenbetäubend gekracht hätte, in eine pathetische Musiksuppe getaucht: Der „Zorn“ der Titanen folgt dem „Kampf der Titanen“ (mit gleicher Besetzung der Hauptrollen) und ist nichts anderes als ein einziger Kampf mit Blitz, Donner, dem Klirren der Waffen und dem Knirschen von Steinen. Und da man mit erzwungenen 3-D-Brillen auf der Nase dasitzt (sonst sieht man das Geschehen nur gänzlich verschwommen), erlebt man auch, dass einem feuriges Lava-Gestein direkt ins Gesicht zu rasen scheint und dass die zerfallenden Tempel ihre Säulenreste mitten in den Kinoraum schießen… So sieht heutzutage Kinovergnügen aus…

Was die Machart angeht, so hat Regisseur Jonathan Liebesman die Kämpfe zwischen Menschen und Monstern (und das Können der Computertechnologie) auf höchstem Level bewältigt, keine ruhige Sekunde gewissenmaßen im antiken Götterkosmos. In dem man übrigens Bescheid wissen muss, denn die im Film gegebenen Infos bleiben mehr als vage. Zeus, Poseidon, Hades, die drei Söhne des Kronos, sind absolut nicht gut aufeinander zu sprechen und bekämpfen sich auch auf der Ebene ihre halb-menschlichen Söhne Perseus, Ares und Agenor, alles klar? Auch wenn einem letzterer in der Familie nicht unbedingt geläufig ist. Kennt man sich da also nicht aus –  dann steigt man durch das Geschehen auch nicht durch. Auch wie plötzlich Andromeda (richtig, später Perseus’ Gattin) hier als kriegerische Königin ins Spiel kommt, begreift man nicht unbedingt (bei Ovid steht es doch anders?), aber mit den originalen griechischen Götter- und Heldensagen hatte hier ohnedies niemand etwas am Hut: Der Mythos eignet sich nur dazu, alles noch lauter und pathetischer zu machen und zwischen griechischen Säulenresten stattfinden zu lassen.

Sam Worthington hat zwischendurch schon als echter Schauspieler vor der Kamera agiert, hier kehrt er wieder zum Muskelmann zurück und kämpft sich blutig – immer zwischen seinem Papa (Liam Neeson wieder als Zeus, er hatte schon besseren Rollen) und seinem kleinen Sohn Helios (John Bell) stehend, darstellerisch nicht über ein paar bedenkliche Blicke hinaus gefordert. Ralph Fiennes „schmiert“ als düsterer Hades wieder eine der Bösewicht-Rollen (siehe „Harry Potter“), die ihm offenbar so viel Spaß machen, seit ernsthaftes Kino (wie einst „Schindlers Liste“ oder „Der englische Patient“) out ist (hoffentlich bekommen wir den brillanten „Coriolanus“ in seiner Regie, mit ihm in der Hauptrolle, zu sehen, eine der gelungensten Umsetzungen Shakespeares in die Gegenwart).

Eine kriegerische Königin würden wir uns wohl nicht in Gestalt des netten, aber sehr unauffälligen britischen Blondchens Rosamund Pike (Kennzeichen: weit aufgerissene Augen) vorstellen, aber das Besetzungsbüro entschied zu ihren Gunsten. Und für Bill Nighy in einer Nebenrolle, in der er wieder einmal (diesmal unter lauter grauen Locken) kaum zu erkennen ist. Im übrigen sorgen Edgar Ramirez als Ares für augenrollenden Grimm und Toby Kebbell als Agenor für bescheidenen Humor, aber darauf kommt es nicht an.

Es geht um Tschinn, Krach, Bumm. Wer gerne zuschaut, wie brillant dergleichen gemacht werden kann, soll sich freuen. Normalzuschauern prophezeie ich vor allem – Kopfweh.

Renate Wagner

 

 

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