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WROCLAW: KONZERT. Über Figaro – Don Giovanni! Kwiecień im Juli? Warum nicht! Prickelnder Don Giovanni in Wrocław.

11.07.2016 | Konzert/Liederabende

POLEN:  Über Figaro  –  Don Giovanni!  Kwiecień (dt. April) im Juli? Warum nicht! Prickelnder Don Giovanni in Wrocław.

Konzert 09.07.2016

Kaum ist Richard Strauss‘ aufregend schöne Musik in der Interpretation des London Symphony Orchestra unter Antonio Pappanos (Tondichtung „Don Juan“ und „Till Eulenspiegels komische Streiche“) äußerst energiegeladener Leitung verklungen,  haben wir das von den Wiener Philharmonikern unter der Leitung von Semjon Bytschkow (ein Augen- und Ohrenschmaus in beiden Versionen) gespielte „Heldenleben“ im Gedächtnis und sind noch immer hingerissen von der von beiden Orchestern gespielten Zugabe IX „Enigma Variationen“ (ein außergewöhnliches Erlebnis), da hat uns die Direktion des Nationalen Musikforums und der Europäischen Kulturhauptstadt Wrocław 2016 bereits ein weiteres kulturelles Highlight auf höchster Ebene  serviert.

NFM

Diesmal begleitete uns Maestro  José Maria Florêncio zusammen mit einem Ensemble von Instrumentalisten des Nationalen Musikforums  durch einen sommerlichen Samstagabend, die mit der kunstvoll gespielten Ouvertüre zur Oper „Die diebische Elster“ von Gioachino Rossini aufzeigten, dass in diesem Fall die Breslauer Musikszene die Diebin war, die den jedem echten Musikliebhaber vertrauten Mariusz Kwiecień für einen Moment aus der großen Musikwelt entwendete.

Wie ist also der polnische Bariton, der die Welt bezaubert?

Um eine Antwort auf diese Frage zu finden (ich hatte zum ersten Mal die Gelegenheit, mich persönlich von diesem Talent zu überzeugen), entschied ich mich, das Konzert aus zwei Perspektiven zu hören – fern und nah.

NFM_duet

Bereits im ersten Teil dieses Ereignisses überflutete Mariusz Kwiecień das Publikum in Wrocław mit dem prickelnden Charme der Kunstgestalt, obwohl es bis zur angekündigten Arie von Wolfgang A. Mozart noch recht weit war. Verschiedene Facetten wurden auf eine unglaublich leichtfüßige,  natürliche Art und Weise dargestellt.  Über ein Stück der Bühne verfügend, gab er den eifersüchtigen Liebhaber und den Ränkeschmiedenden, der nicht nur mit der ihm zur Seite stehenden Simona Houda-Šaturová, sondern vor allem mit dem Publikum flirtete. Das aus der zweiten Reihe gehörte (kraftvolle und herrliche Timbre der Stimme) und betrachtete „Là ci darem la mano“ aus dem ersehnten Don Giovanni war unglaublich beeindruckend. „Andiamo” ? „Andiamo”  antwortete Zerlina – Simona Houda-Šaturová, die als Partnerin eines solchen Künstlers gewiss unter einem enormen Druck stand, aber auch wohlverdiente Ovationen des Publikums erntete.  Persönlich war ich deswegen ein wenig unzufrieden, da ich die aufgeführten Arien früher mehrmals von Aleksandra Kurzak gesungen hörte, deren Stimme und Interpretation mir als unübertrefflich im Gedächtnis geblieben sind, aber das ist meine persönliche Meinung.

Warum mich die Ouvertüre der Oper „Norma“ am wenigsten beeindruckte? Weil bei diesem Konzert – glauben Sie mir – nichts normal war. Ob es der persönliche Charme der Solisten, ihr glänzendes Talent, der Zauber des neuen Konzertsaals von Wrocław, oder vielleicht alles zusammen dazu führte, dass der Maestro zusammen mit seinen Musikern das gesamte Publikum aus dem Serail entführte.

Wrocław ist die Hauptstadt der Hochkultur.

Iwona Karpińska/ Wrocław

 

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