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WORDS AND PICTURES

09.06.2014 | FILM/TV

FilmPlakat Words and Pictures~1

Ab 13. Juni 2014 in den österreichischen Kinos
WORDS AND PICTURES
USA  /  2013 
Regie: Fred Schepisi
Mit: Clive Owen, Juliette Binoche, Amy Brenneman u.a.

Der amerikanische Film ist voll von entsetzlich platten Beziehungskomödien. Man müsste lange nachdenken, wann einer davon den Ehrentitel „Screwball Comedy“ verdient hätte – so wie damals, als Katherine Hepburn und Spencer Tracy sich die brillantesten Dialoge nur so um die Ohren knallten. Nun, Juliette Binoche und Clive Owen gelingt wieder ein Film dieser Art – weil hier zwei hochkarätige Schauspieler Humor haben und so viel Intelligenz ausstrahlen, wie für die Glaubwürdigkeit benötigt wird…

Ort der Handlung: eine amerikanische Highschool in Neu-England. Hier ist Jack Marcus gelandet, der einst eine literarische Hoffnung war und für eine Schule wie diese, die von anspruchsvollen Sponsoren lebt, einen Gewinn darstellte. Aber nun, wo er sein Alkoholproblem nicht mehr in den Griff bekommt, schwankt seine Stellung beträchtlich.

Auf andere Weise krank ist Dina Delsanto, an sich erfolgreiche Malerin, die als Kunstlehrerin an der Schule ihr Ende erwarten will, das sie in Form von multipler Sklerose ereilen wird. Eigentlich zwei bedauernswerte Kreaturen, aber keiner von ihnen hat das geringste Talent zum Selbstmitleid.

Zwei Persönlichkeiten, die weit über den amerikanischen Schulalltag hinausragen, erkennen einander – und prallen auf einander. Hochmütige Dialoge, in denen sie einander herausfordern, zuerst. Und dann der Kampf ihrer Professionen. Die Malerin, die behauptet, dass ein Bild mehr sagt als tausend Worte. Der Literaturfex und –Kenner, der immer die richtigen Worte findet, will das nicht gelten lassen. Immerhin mobilisieren sie ihre Schüler zu einem Wettkampf, denn sie sind Lehrer im besten Sinn (wie man sie nicht überall und immer findet), aber darum geht es nicht wirklich, auch nicht um die kleinen, hier vor allem amüsant gezeichneten Querelen des Schulalltags. Sondern darum, wie sich die beiden an einander annähern.

Das mag dann ein bisschen viel vom Üblichen der gegenseitigen Zähmung sein, sie die Superkühle, er der Rüpel, aber Komödienregisseur Fred Schepisi, der nur wenige Filme macht, hat in Juliette Binoche und Clive Owen zwei Darsteller zur Verfügung, die mit ihrer ersten Jugend nicht auch ihren Persönlichkeitsreiz verloren, sondern eher noch verstärkt haben. Was für Kratzbürsten! Humor und Klasse – das macht’s. Man ist direkt beruhigt, die beiden im Happyend zurück zu lassen, so sehr hat man ihre Figuren ins Herz geschlossen.

Übrigens – die „Wort oder Bild“-Frage wird natürlich nicht entschieden, wie könnte das auch gehen? Wort und Bild und, nicht zu vergessen, Musik (die hier keine Rolle spielt) – und das Leben wird reich. Und noch ein übrigens: Die Bilder, die angeblich von Dina Delsanto gemalt wurden, stammen von – Juliette Binoche.

Renate Wagner

 

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