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WITOLD LUTOSLAWSKI: CONCERTO FOR ORCHESTRA, JOHANNES BRAHMS: KLAVIERQUARTETT Op. 25, orchestriert von Arnold Schoenberg

17.08.2016 | cd, CD/DVD/BUCH/Apps

lutosl WITOLD LUTOSLAWSKI: CONCERTO FOR ORCHESTRA, JOHANNES BRAHMS: KLAVIERQUARTETT Op. 25, orchestriert von Arnold Schoenberg – Harmonia mundi CD

Wir schreiben 1950: Der Dirigent der neu gegründeten Warschauer Philharmonie Witold Rowicki gibt bei Lutoslawski ein Konzert für Orchester in Auftrag, das dem jungen Orchester die Gelegenheit geben sollte, sein Können unter Beweis zustellen. Die sozialistische Regierung Polens hatte dem Komponisten schon mehrfach Aufträge zu Werken auf Basis polnischer Volkslieder erteilt. Das Witzige an diesem 1954 fertig gestellten und uraufgeführten Werk ist aber, dass es überhaupt nichts vordergründig volksliedhaftes aufweist, sondern eine an barocke Formen anknüpfende Komposition mit Witz und Elan geworden ist. So finden sich schon in den Satzbezeichnungen die Titel Intrada, Passacaglia, Toccata e Corale. Lutoslawski gelang es, auf Basis dieser „barocken“ Einleitung, der Tänze und virtuosen Toccata ein mächtig schwungvolles, technisch höchst anspruchsvolles und dennoch sinnlich mit Genuss hörbares Werk seiner Feder zu entlocken. Da darf es zuweilen schon mal nach Sacre du Printemps klingen, überhaupt suggeriert auch die Vorliebe für Neobarockes eine Nähe zu Stravinsky.

Das Fort Worth Symphony Orchestra unter dem Dirigenten Miguel Harth-Bedoya gelingt in ihrer vierten Aufnahme für das Label harmonia mundi eine lebhafte Realisierung voller Tempo, scharfer Rhythmen und dramatischer, fast opernhafter Erzählkraft. Kein Wunder, dass dieses schillernde Werk Lutoslawski zum führenden polnischen Komponisten des 20. Jahrhunderts werden ließ.

Zum 1861 vollendeten Klavierquartett Nr. 1 in G-Moll von Brahms hat kein Geringerer als Schoenberg 1937 eine Fassung für großes Orchester erstellt. Sie wurde 1938 in Los Angeles unter Otto Klemperer uraufgeführt. Als schon in der Grunddisposition sinfonisches Kammermusikwerk eignet sich dieses Quartett hervorragend für die farbigeren Klangmöglichkeiten eines Orchesters. Klarinetten, Flöten, Trompeten und ein großes Schlagzeug inspirierten Schoenberg zu allerlei kongenialen Einfällen, die vom Fort Worth Orchester sehnsuchtsvoll, wirbelig, locker beschwingt und bis hin zum rasanten Schlusssatz packend und mitreißend wiedergegeben werden. Gute Laune garantiert.

Dr. Ingobert Waltenberger

 

 

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