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WILD CARD

09.02.2015 | FILM/TV, KRITIKEN

FilmPlakat Wild Card~1

Ab 13. Februar 2015 in den österreichischen Kinos
WILD CARD
USA  /  2015 
Regie: Simon West
Mit: Jason Statham, Michael Angarano, Stanley Tucci u.a.

Seit „Transporter“ gibt es das Genre des Jason-Statham-Films, und der Mann ist für das, was er darstellen soll, einfach gut – ein Bruce Willis für Arme; harter Mann, dem man die Härte glaubt; im allgemeinen schweigsam und unbeweglich (wenngleich nicht ganz auf dem Niveau, wie Jean Gabin oder Alain Delon diese Masche gelegentlich durchzogen), aber im Grunde immer sympathisch. Man weiß, welche Art von Action-Unterhaltung man zu erwarten hat, und wenn man ihn mag, geht man hin.

Allerdings gab es schon bessere Drehbücher als dieses, selbst wenn der zugrunde liegende Roman von Routinier William Goldman stammt und sogar schon einmal (1986 mit Burt Reynolds) verfilmt wurde. Tatsächlich hat die Story keinen durchgehenden Drive, sondern setzt sich aus verschiedenen Handlungsbrocken zusammen, die kaum ein spannendes Ganzes ergeben. Auch dass die Geschichte in Las Vegas spielt, normalerweise ein ideal-pittoreskes Ambiente, wird in dieser Regie von Simon West nicht wirklich effektvoll eingesetzt.

Nick Wild – Jason Statham auf den Leib geschrieben, immer mit etwas müder, belästigter Miene, einer, dem nichts mehr Spaß macht im Leben – ist „Personenschützer“. Eine Exfreundin (Dominik García-Lorido, Tochter von Andy Garcia, keine sonderlich sympathische Rolle) interpretiert das dahingehend, dass er den Mafioso bestrafen muss, der sie unliebenswürdig behandelt hat. Das führt zu einer widerlichen Szene, wie sich die Dame damit rächt, dass sie sich an den Kronjuwelen des von Nick außer Kraft gesetzten, nun tobenden und bettelnden Herren (Milo Ventimiglia), sadistisch zu schaffen macht…

Der Mafioso, der das überlebt, bringt seine unfähigen Bodyguards um, die Zeugen seiner Demütigung wurden, und will es Nick in die Schuhe schieben – Auftritt Stanley Tucci in der vielleicht besten Szene des Films, der Oberboß, der hier entscheiden soll, und da er beide Beteiligten kennt, weiß er natürlich genau, was wahr ist…

Weiteres Element der Handlung: Ein jugendlicher, sehr furchtsamer Millionär (eine differenzierte Leistung von Michael Angarano) traut sich ohne Leibwächter nicht in die Kasinos – und kann am Ende mit den 90 Millionen, die er am Konto hat, auch als Deus ex machina fungieren.

Denn unser Nick Wild hat noch ein Problem: Er ist ein besessener Spieler, einer, der nicht aufhören kann (und darum in Las Vegas nicht richtig am Platz). Hope Davis als souveräne „Croupière“ am Black Jack-Tisch zeigt, wie viel man auch aus einer Nebenrolle holen kann, wenn das Herz mit dem Spieler schlägt – und sie dennoch die Karten der Bank verwaltet… Ein wahrer Einblick in die Psyche des Spielers, die derzeit Mark Wahlberg in „The Gambler“ so faszinierend bietet (noch nicht hier angelaufen), wird es allerdings nicht, so hoch greifen Statham-Filme nicht.

So bröckelt sich die Handlung des Films aus Einzelteilen zusammen, wird aber (bis auf ein paar obligate Schlägereien) nie zu der spannend-rasanten Action, die man mit Jason Statham verbindet. Ein Hauch von Schwermut und Resignation liegt über allem… aber dass es nicht das reine Glück ist, in der Glitzerwelt von Las Vegas zu leben, konnte man sich schon vorher vorstellen. Immerhin, dieser wilde Nick ist sympathisch genug, dass man  ihm für seinen Lebenstraum (auf einem Boot vor Korsika…) die Daumen hält.

Renate Wagner

 

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