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WIESBADEN/ Kurhaus: „JULIA FISCHER – AUGUSTIN HADELICH – ACADEMY OF ST. MARTIN IN THE FIELDS“

Meisterkonzert im Kurhaus

12.05.2019 | Konzert/Liederabende

Wiesbaden / Kurhaus: „JULIA FISCHER – AUGUSTIN HADELICH – ACADEMY OF ST. MARTIN IN THE FIELDS“

  Meisterkonzert im Kurhaus 11.05.2019

Wiesbaden Musik eine Konzertreihe im Kurhaus neu gegründet servierte als Abschluss im ersten Bestehungsjahr elitäre Gäste: Julia Fischer und Augustin Hadelich zwei renommierte Vertreter der internationalen Violinisten-Szene in Begleitung des vortrefflichen Ensembles Academy of St. Martin in the Fields.

Zu Beginn erklang das „Konzert für 2 Violinen, Streicher und Basso continuo BWV 1043“ von Johann Sebastian Bach. Die Entscheidung für Bach ist sinnvoll, denn seine Musik ist die Basis, ist zeitlos resistent gegenüber Moden, im besten Sinn unverwüstlich. Bach aufzuführen bedeutet Konzentration auf das Wesentliche, die Befreiung von Ballast einer Art Neuorientierung des musikalischen Kompasses.

Die beiden ausgezeichneten Solisten schienen eine klare stringente Bach-Auffassung zu vertreten, denn kaum war das Vivace in seiner herben Aussage verklungen, erblühte der friedvolle Gesang der beiden Violinen im Largo – ma non tanto wie ein Wunder auf. Elegisch in traumhafter Magie floss die Melodie dahin, öffnete die Herzen, befreite die Seelen von aller Last und schien zum Himmel empor zu streben. Wie im Sturm federnd leicht flog das thematische Allegro atmosphärisch, beeindruckend wie Fischer die straffen Tempi beherrschte und Hadelich zu ebenso unglaublicher Virtuosität animierte. Schlank im Ton dennoch präzise und hell mit sparsamem Vibrato versehen ergänzten sich die beiden Künstler in vorbildlicher Weise. Transparent bestens artikulierten sich die Musiker der Academy zum formativen hinreißenden Gesamtorchesterklang.

Gleich einem Donnerschlag und nichts für zartbesaitete Ohren folgten akustische Kontraste mit dem „Concerto grosso Nr. 1 für 2 Violinen, Cembalo und Streichorchester“ von Alfred Schnittke. Für seine „Polystilistik“ ist der Komponist bekannt, seine Aphorismen in gedrängter Musikfülle in Anspielung auf die Zwölftontechnik kamen in diesem Werk nun weniger zum Ausdruck. Dennoch erinnerte ich mich zuweilen der Worte Scarpias aus „Tosca“  E strimpellan gavotte.  Eine unterschwellige Unruhe durchzog die fünf Sätze des Concertos, versöhnte manche malträtierten Zuhörer-Ohren mit dialogischen Strukturen melodischer Elemente und schöner Klänge. Thematisch-variiert sinnierte das Cembalo Ansätze eines Tangos und verhalf so mancher Kontroverse zu harmonischer Sachlichkeit.

Mit großer Kompetenz und Hingabe stellten sich Julia Fischer und Augustin Hadelich dieser enormen Herausforderung und meisterten in bewundernswerter Eleganz und Virtuosität Unglaubliches. In weitem dynamischem Spektrum erschlossen die beiden Künstler einen Klangkosmos der besonderen Art, entfalteten ihr technisches Können zu diesen vertrackten Disharmonien in klanglichen Differenzierungen des fein abgestimmten Dualsystems der Komposition. In sehr engagagierter und eindringlicher orchestraler Präzision untermalte das englische Chamber-Orchestra den eigenwilligen Sound.

Das zunächst leicht verschreckte Publikum dankte dennoch sehr herzlich den beiden sympathischen Künstlern.

Nach der Pause folgte wiederum ein Werk des 21. Jahrhunderts und zwar die „Chamber Symphony“ des russischen Komponisten Andrey Rubtsov. Nun wirkte das viersätzige, 17-Minutenwerk keineswegs sphärisch aber dennoch weit versöhnlicher in den Ohren der Zuhörer. Der zeitgenössische Komponist ließ so manches bekannte Thema der Konzertliteratur in diesem Werk aufblitzen, bediente sich weniger atonaler Töne und somit entstand eine Short-Symphony von klarer Konstruktion und teils sehr klangvoller Intensität.

Vortrefflich musizierte die Academy of St. Martin jene interessanten Weisen.

Zum Abschluss erklangen wiederum klassische Töne und zwar die „Serenade für Streichorchester C-Dur“ aus der Feder von Peter Iljitsch Tschaikowsky. Keine andere Schöpfung des genialen russischen Komponisten huldigte so sehr dem Geist der deutschen Musik wie dieses musikalische Kleinod.

 Im Allegro finden wir sogleich Händel- und Schumann-Anklänge, mag es uns zwar merkwürdig berühren, doch Tschaikowsky fühlte sich den beiden Großen stark verbunden, als dass er seine Huldigung hätte schmälern mögen zugunsten stilistischer Bedenken. Vortrefflich in herrlicher Instrumentation der akkurat musizierenden Academy erklang Valse – Moderato und im folgenden Elegia gab sich der Komponist weichen Regungen hin, allein dieses Tonstückes  wegen verdient das Werk wahrhaft seinen Namen Serenade. Auf wunderbare Weise intonierten die englischen Gäste in transparenter Orchestrierung das finale Andante – tema russo im lustigen Kehraus mit seinem spaßhaften Tanz.

Das Publikum erfreut, feierte das Orchester mit Bravos und überschäumender Begeisterung.

Gerhard Hoffmann

 

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