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WIESBADEN/ Hessisches Staatstheater: DIE WALKÜRE. Ambivalenz mit großem Finale

30.01.2017 | Oper

Die Walküre

Wiesbaden 29. Januar 2017

 Ambivalenz mit großem Finale

 In der dritten Vorstellung nach der Premiere gab es zwei Umbesetzungen. Ursprünglich war das szenische Rollendebut von Anja Harteros als Sieglinde geplant. Wie so oft, so sagte sie ab und wurde von d e r Sieglinde unserer Zeit, Eva-Maria Westbroek, ersetzt. Der plötzliche Tod des Premieren-Wotans, Gerd Grochowski, traf das Staatstheater tief. Es ist ein schöne und würdige Geste, an diesen Sänger im Rahmen einer öffentlichen Trauerfeier im Februar zu gedenken. Für ihn sang Egils Silins den Göttervater. Auffallend an diesem Abend war eine deutliche Qualitätsverbesserung in den musikalischen Leistungen.

Klar dominiert wurde der Abend von der brillanten Leistung Eva-Maria Westbroeks. Ihre Sieglinde war makellos im Gesang und ihrer hingebungsvollen Identifikation mit ihrer Rolle. Raumsprengend und emphatisch zugleich leuchtete ihr Gesang durch das Haus und versetzte das Publikum in riesige Begeisterung!

 Über sich selbst hinaus wuchs an ihrer Seite Richard Furman als Siegmund. Bleibt sein hell-bleiches Timbre Geschmackssache, so erfreute auch er mit einer deutlich gesteigerten Leistung, so dass er seiner Rolle nichts schuldig blieb. Auch sprachlich klang er nicht so akzentbehaftet, wie in der Premiere.

 Young Doo Park war ein Hunding mit finsterer Stimme, der aber textlich keine Nuancen zeigte. Schade, so blieb er als Charakter immer noch blass.

 Höchst wechselhaft erlebte ich die Leistung von Egils Silins als Wotan. Stimmlich bringt er alles mit, was diese Rolle erfordert. Hingegen war seine Leistung im 2. Aufzug ein gestalterischer Offenbarungseid! Derart einfalls- und lustlos in der Gestaltung seines vielschichtigen Charakters, habe ich noch keinen Interpreten dieser Partie gehört! Keine dynamische Differenzierung, keinerlei Wortakzentuierungen….nichts! Sein Monolog, der eher dem Verlesen eines Telefonbuchs gleichkam, zog sich gefühlt unerträglich in die Länge. Ich war fassungslos……Im 3. Aufzug geschah eine fast schon wundersame Verwandlung!. Als habe Silins einen Hebel umgelegt fegte er wie eine Naturgewalt als wütender Wotan auf die Bühne und sang plötzlich sehr textbezogen. Endlich differenzierte er auch sensibler die Dynamik, so dass gerade die leisen Stellen besonders berührten. Sein Schlussgesang war ausladend und jederzeit souverän. Warum nicht gleich so?

 Margarete Joswig als Fricka war auch deutlich engagierter bei der Sache und erfreute durch eine farbigere Textgestaltung. Sängerisch bewegte sie sich auf hohem Niveau.

 Bleibt die Brünnhilde von Sonja Gornik. Auch sie wirkte wesentlich freier und wärmer in ihrer Stimme. Gerade im Vergleich mit einer echten Sieglinde-Stimme allerdings, wie jene von Westbroek, wurde deutlich, dass Gornik eine (zu) lyrische Besetzung von Wotans Tochter ist. Im Rahmen ihrer Möglichkeiten sang sie ihre Brünnhilde stimmsicher und tonschön. Ans Herz gingen wohl jedem Zuschauer ihre Tränen bei Wotans Abschied…….

 Wie umgewandelt tönte es aus dem Orchestergraben. Endlich gab Alexander Joel seine Zurückhaltung auf und musizierte mit dem weitgehend sauber intonierenden Orchester eine mitreißende, vorwärtsdrängende Lesart. Dabei sicherte er eine gute Balance und war den Sängern ein äußerst aufmerksamer Begleiter. Unverständlich für mich der wieder auch hier in Wiesbaden fast schon obligatorische Schmiss im Schlagzeug bei Wotans Erzählun. Ich verstehe nicht, was so schwer daran ist, einen Beckenschlag („ich berührte Alberichs RING“) und einen Triangelschlag („gierig hielt ich das GOLD“) korrekt auszuführen! Auch bei Wotans „Segen“ spielte das Schlagzeug falsch, indem es beide Male zu schwach und vor allem Takte zu früh endete.

 Bleibt noch das Pferd, dass diesmal rauschenden Szenenbeifall bekam, durchsetzt von einigen Buhrufen…….! Nun also doch etwas Zirkusstimmung!

 Großer Jubel beim Publikum.

Dirk Schauß

 

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