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WIEN/Staatsoper: SOLISTENKONZERT ROBERTO ALAGNA/ Pierre Vallet

09.02.2012 | KRITIKEN, Oper

SOLISTENKONZERT ROBERTO ALAGNA – PIERRE VALLET  (8.Februar 2012)

 Es weht oft ein Hauch von Zirkusluft um die Auftritte von Roberto Alagna – auch bei seinem  ersten Solistenkonzert im Großen Haus der Staatsoper, das er mit dem französischen Dirigenten  Pierre Vallet am Klavier bestritt. Der französische Sänger mit italienischen Vorfahren wählte ein französisch-italienisches Raritätenprogramm, in das nur wenige Titel aus dem gängigen Tenor-Repertoire eingefügt waren. So begann er  mit einer Arie aus der vergessenen Oper von Luigi Cherubini „Les Abencérages“.- ein ideales Stück zum Einsingen, immerhin war Napoleon ein Zeuge der umjubelten Uraufführung in Paris und in der Arie  des Almanzor wird viel Dramatik und Lyrik abverlangt.  Und über beides verfügt der sympathische Tenor ausreichend.

Beim zweiten Stück müssen  wohl selbst Opernprofis  das Internet bemühen: Etienne-Nicolas Méhul heißt der von Beethoven besonders geschätzte Zeitgenosse von Cherubini. Und der Inhalt dreht sich um „Joseph und seine Brüder“. Und Alagna konnte hier  seine dramatischen Möglichkeiten noch weiter ausbauen. Arie Nr. 3 stammte von einem Komponisten, den man zumindest als Zitat aus Pique Dame kennt. – wenn sich die Alte Gräfin kurz vor ihrem Tod an ihre Jugend rückerinnert singt sie eine Arie von André-Ernest-Modeste Grétry und zwar aus seinem bekanntesten Werk über Richard Löwenherz . Alagna wählte  in Wien eine Arie  von Gretry aus „Zemire et Azor“ und demonstrierte  nun seine Piano-Technik, die immer etwas gefährdet wirkt, aber zumeist die Spannung erhöht.

Dann hatte der Pianist seinen ersten Soloauftritt: mit der „Meditation“ aus Thais (im 2.Teil mit der Sonate 123 von Franz Liszt) und  erwies  sich als Vollblut-Romantiker. Nach zwei Arien aus  Mignon von Ambrois Thomas ging‘s schließlich ganz ins Lyrische. Der Franzose  Francois Bazine schrieb immerhin 9 Opern, die außerhalb von Frankreich weitgehend vergessen sind. In der Oper „Maitre Pathelin“ geht es einmal mehr  um die Wirrungen der Seele. Und Roberto Alagna wollte diese Arie mit einem Piano-Spitzenton krönen, da passierte das Missgeschick – die Stimme „kiekste“ und der „Schmiss“ war unabwendbar. Doch Alagna gab sich nicht geschlagen. Er winkte den beginnenden Applaus ab, wiederholte die Schlussphrase der Arie von Bazine und krönte das Ganze mit einem strahlenden Forte-Spitzenton. Das Publikum jubelte, die Fans waren glücklich – aber Alagna winkte nochmals den Applaus ab und sang die Phrase in feinstem Pianissimo… Tumultartige Zustimmung belohnte den Sänger, der für Ähnliches berühmt ist.

Mit Zirkus hat es jedoch auch zu tun. Nach der Pause verblüffte Roberto Alagna mit dem Lied des Arleccin aus dem Pagliacci von Ruggero Leoncavallo, wandelte mit einer Arie aus „Sly“ von Ermanno Wolf-Ferrari auf den Spuren von José Carreras ; wählte als Höhepunkt die Arie des Roberto Devereux aus der gleichnamigen Oper von Gaetano Donizetti, interpretierte  einen Romeo aus der Feder von Riccardo Zandonai und  beendete das offizielle Programm mit der Arie „Come un bel di di maggio“ aus dem Andre Chenier von Umberto Giordano. Zuletzt Jubel, Trubel, Heiterkeit und viele Zugaben, darunter die Arie des Assad aus der Königin von Saba „Magische Töne“ von Karl Goldmark, und  das Ständchen des Don Giovanni.

Peter Dusek

 

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