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WIEN/Musikverein: LA STRANIERA von Bellini zum Gruberova-Jubiläum

19.02.2013 | KRITIKEN, Oper

Wien/ Musikverein: 18.02.2013   MV   „La Straniera“

Es ist schwer, einen Abend dieser Art auch nur einigermaßen kritisch zu beleuchten, da es doch galt, das Bühnenjubiläum einer großen Sängerin zu feiern. Im Prinzip war es ja gleichgültig, welches Werk man ihr zuliebe aufführen wollte, fast jedes aus ihrem Stammrepertoire wäre geeignet gewesen, um die Vorzüge ihrer Stimme zur Geltung zu bringen: Die sagenhaften Höhen, das makellose Piano, oder die Kraft, die sie immer noch besitzt, mit ebendieser Stimme auch in sehr schweren Partien jeden Kollegen in den Schatten zu stellen.

Jedes Werk, aber nicht gerade dieses. Bellini hat wunderbare Opern geschrieben, aber natürlich auch schwächere. „La Straniera“ wird ganz zurecht sehr selten gespielt, denn außer einem gemächlich dahinplätschernden, sicher sehr routiniert komponiertem Klangteppich des Belcanto, war wenig Spannendes zu hören. Erst nach langer Durststrecke gab es eine Arien (des Baron Valdeburgo), die aufhorchen ließ. Das ist einfach zu wenig für einen überlangen Abend. Dennoch war es bemerkenswert, mit welchem Einsatz alle Beteiligten am Werk waren, um den passenden Rahmen für das Jubelfest zu bauen: Ein mäßig begeisterndes Opernorchester München unter einem aufopferungsvoll dirigierenden Pietro Rizzo, der natürlich nicht alles ausbügeln konnte, was aus dem Bereich der Bläser schräg daherkam. Eine Sonia Ganassi (Isoletta), die mit großer, wenn auch nicht gerade klangschöner Stimme dezent im Hintergrund blieb. Ein Jose Bros (Arturo), der zwar die nötige Höhe für diese Rolle besitzt, sich aber mit messerscharfem Timbre um den Lohn für seine Mühen bringt.

Nur einem war es zu verdanken, dass dieser Abend nicht als Soloabend einer großen Diva in die Geschichte eingehen sollte: Paolo Gavanelli. Er sang den Baron Valdeburgo mit genau der Stimme, die in einem Belcanto-Werk unbedingt gebraucht wird, sowohl samtweich, wie auch durchschlagskräftig, wo es notwendig ist und mit einer sagenhaft sicheren, ja fast heldischen Höhe gesegnet, die man leider nur selten zu hören bekommt.

Das Publikum bejubelte zu Recht eine Primadonna, für die nächste Sternstunde sollte man aber doch ein qualitativ höherwertiges Werk auswählen.  

Johannes Marksteiner

 

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