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Wiener Staatsoper L`ELISIR D`AMORE mit Machaidze und Schrott

10.03.2014 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper,
“L`ELISIER D`AMORE” 
210.Aufführung in dieser Inszenierung
9.März 2014

 

Nino Machaidze  Foto M.Pöhn

Nino Machaidze

Der Abend begann diesmal schon am Nachmittag um 16 Uhr! Das kann schon eine böse Überraschung ergeben, wenn man nach einem zufälligen Blick in die Zeitung aufgescheucht wird und – wie es so schön heißt “Hals über Kopf” oder besser Pleuelstange vor Stossstange – in das Haus am Ring flieht. Dann kommt schon die erste unangenehme Meldung aus Richtung Vorhang: Der vorgezogene Sommer brächte schon die saisonale allergische Rhinitis in Schwung und eines der ersten Opfer dieses Heuschnupfens sei ausgerechnet der Dottore dieses Stücks.

Dass ausgerechnet der mir zugeteilte Übersetzungsbildschirm ausfiel, das war ja gerade noch zu verschmerzen bei dieser Oper, die sich von alleine erzählt, aber dass trotz des so frühen Beginns das Ende der Vorstellung laut Programm erst um 22.15 Uhr zu erwarten wäre, sorgte zuletzt doch noch für Nachdenklichkeit: Ist ein zusätzliches Ballett angedroht oder ein “Hierauf”, wie es in den alten Programmen unter dem guten alten Kaiser noch hieß: Hierauf “Die Puppenfee” oder hierauf “Der Bajazzo” oder “Die Boheme”. Ja das gab es früher noch nach so kurzen Piecen wie zum Beispiel dem “Liebestrank”, dass man dem ersten Teil noch einen hinzufügte und man sich über das allerhöchste Sitzfleisch der damaligen Herrschaften wundern muß.

Erwin Schrott Foto M.Pöhn

Erwin Schrott

Guillermo Garcia Calvo ist jedenfalls nicht ganz unschuldig, dass man heimlich auf die Uhr blickte, ob das Ende des Programms vielleicht wirklich um 22.15 Uhr stattfände, zu tun gab es für ihn genug, die Unstimmigkeiten mit dem Chor oder mit dem manchmal aus dem Tempo fallenden Dulcamara Erwin Schrott auszugleichen. Aber dieser zählte letztlich zu den Positiva des “Abends”, er bietet einen Dottore der Sonderklasse, jedenfalls einen der das A-Parte-Singen und Agieren perfekt beherrscht, einen spitzbübischen aber liebenswürdigen Ganoven der immer wie “eingeraucht” wirkte mit seinen drollig aufgerissenen Augen. Stimmlich bot sein heller Bass trotz der kaum hörbaren Rhinitis-Allergie genügend komödiantische Fülle.

Neben ihm uneingeschränkt der “Star” des Abends, Nino Machaidze mit ihrem jugendlichen, beweglichen und farbenreichen Sopran, eine Jungbäuerin voller Liebreiz, die ein gutes Bild in den Erntemonaten des entsprechenden Kalenders abgäbe.

Als Problem des Abends allerdings und überhaupt der Belcantopflege auf dem Tenorsektor der Wiener Staatsoper erwies sich Charles Castronovo. Man muß ja nicht in Süditalien geboren sein, um einen perfekten Belcantotenor abzugeben, aber so wenig Sonne und musikalische Helle als Tenor auszustrahlen, das sollte an der Staatsoper nicht passieren. Ähnlich wie beim Tenorissimo aus der “Adriana Lecouvreur” hätten diese Herrschaften eine Qualitätskontrolle hinsichtlich der Eignung für die jeweiligen Hauptrollen erst passieren müssen, ehe sie die Ehre- ja Ehre!- eines Auftritts an diesem Hause bekämen! Der Mangel an guter Stimmbildung, perfektem Sitz und akustischer Reinheit ist leider eklatant. Aber was soll´s, der Applaus nach der Arie war nicht gering und ein Florez ist nicht jederzeit zu kriegen.

Alessio Arduini müßte sich noch an die Größe des Hauses heranarbeiten. Der sympathische Sänger mit dem etwas kleinen aber markanten Bariton wirkt insgesamt noch zu wenig überzeugend. (Noch?)Nicht überzeugend-das trifft auch auf die noch junge Anika Gerhards als Gianetta zu.

Ein nur schwach besuchter Galerie-Stehplatz, viele Touristen (das wiederum soll keine negative Wertung sein) und Einheitsapplaus zeichneten diese Vorstellung aus.

 

Peter Skorepa
MERKEROnline
Alle Fotos: WienerStaatsoper/Michael Pöhn

 

 

 

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