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Wiener Staatsoper „L`ELISIR D`AMORE“

07.09.2012 | KRITIKEN, Oper

Celso Albelo und Chen Reiss, dazwischen das Elisir.        Foto Wr. Staatsoper

Wiener Staatsoper “L`ELISIR D`AMORE”  am 6.9.2012

Ein neuer Tenorliebling

Herzig und lieb sieht er aus, der junge Tenor aus Santa Cruz, Teneriffa, ausgestattet mit dem Charme eines Stoffbärchens, figurmäßig zwischen Domingo und Pavarotti pendelnd – als beide noch sehr jung waren. Celso Albelo eroberte für sich gestern Abend auch die Gunst des Publikums, als er als Nemorino seine so heftig Angebetete eroberte, als er mit seinem, in allen Registern klangvollen Tenor die heimliche Träne aus dem Auge Adinas besang. Dass in seiner Vita auch Studien mit Carlo Bergonzi vermerkt sind, das bestätigt letztlich sein Vortrag, manchmal glänzt aus dem angenehmen, leicht verschatteten Timbre seiner Stimme etwas Schipa oder Tagliavini hervor, einer Stimme, die auch über durchschlagskräftige Töne verfügt. Im Reigen der vielen Nemorinos, die wir kennen, bildet er das gut geerdete Gegenstück zu den hochartifiziellen gesanglichen Leistungen etwa eines Flórez.

So eine einzeln angesetzte Vorstellung ohne den Vorteilen einer Serie, in deren Verlauf man sich aufeinander besser einzustimmen in Stande ist, erfordert ein erhöhtes Maß an Konzentration, wie etwa  von Guillermo García Calvo, dessen Verlangen nach jenen, dem Stück adäquateren Tempi manche Gewohnheiten der Solisten oder des Chores hörbar entgegenstanden, so dass er sich endlich bei den Aktschlüssen durch gehetzte Accelerandi Luft zu machen schien.

Wirklich hübsch anzusehen, ganz Dame auf ihrer Fattoria, die in Amerika ausgebildete Israelin Chen Reiss, sie konnte als Adina sehr gut gefallen. Den musikalisch einwandfreien Vortrag, trübte aber die manchmal zum stärkeren Vibrato neigende und in der Höhe eng, manchmal auch zu schrill werdende Stimme etwas. Und die Gianettas sitzen immer in den Startlöchern für die Eroberung der Hauptrolle, auch diesmal das neue Ensemblemitglied Valentina Nafornita, die bei entsprechender Entwicklung ihres Materials zu einer Konkurrenz der Etablierten heranwachsen kann.

Chen Reiss mit dem uniformierten Feschak Marco Caria    Foto Wr. Staatsoper

Einen fescheren Belcore als es Marco Caria ist, den kann es ja nicht mehr geben. Alle baskischen Mädchen müßten ihm ja zu Füßen liegen, nur Adina nicht, die hat ihr Herz sprechen lassen. Dafür punktet Caria mit seinem markant-männlichem Timbre seines Kavalierbaritons. Und das Urgestein unter den Commedia-Doktoren, Alfred Sramek, liefert seinen leutselig-granteligen, aber auch wie immer liebenswürdigen Dulcamara ab, vom Publikum geliebt, trotz einiger “Falten”, die seinen Gesang schon zieren. Über den von Martin Schebesta einstudierten Chor der Wiener Staatsoper dürfen wir uns freuen, auch wenn er von der längst verblassten Regie viel zu viel zum starren Herumstehen-und sitzen verurteilt ist.

Das Publikum zeigte sich animiert und applausfreudig, begeisterte sich hörbar für einen eingelegten Spitzenton des Tenors und begann mit dem Schlußapplaus bereits mehrere Takte vor dem Ende.

Peter SKOREPA

 

 

 

 

 

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