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Wiener Staatsoper LA TRAVIATA

11.11.2012 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper  “LA TRAVIATA”

10.11.1012

 Ungewöhnlich viele Karten wurden gestern Abend vor Beginn der eigentlich als “Ausverkauft” angekündigten Vorstellung der “Traviata” in der Wiener Staatsoper vor dem Hause angeboten. Hatte das seine Ursache im Frust vieler Alvarez-Fans, die schon wieder auf  ihn verzichten mussten, noch dazu bei einem Rollendebüt? Sogar auf dem Abendplakat war der beliebte Sänger noch angekündigt, offensichtlich hatte sich die Direktion ein Wunder erwartet, obwohl ja schon seit langem sein Dauerausfall bekannt ist. Nun, Ersatz war schon angekündigt, immerhin hätte Ludovic Tézier singen sollen, Giovanni Meoni wurde es letztlich.

Knapp vor Beginn konnte man dann auch noch Karten zum halben Preis ergattern und wer solcherart zu einem günstigen Sitz gekommen ist, hat wenigstens für den künstlerischen Wert der Vorstellung den äquivalenten Preis bezahlt.

 Es ist müßig jetzt noch zu fragen, warum diese langweilige und uninspirierte Inszenierung – ein richtiger Noteinkauf aus einem Sommerfestival der französischen Provinz – unserem Repertoire eine derartige Qualitätslast sein muß. Für das Jubeljahr hätte der angestaubte Schenk´sche Plüschzauber auch noch gereicht, in dem war wenigstens auch noch die Traviata enthalten. Natürlich muss unser Direktor immer wieder beteuern, dass er an dieser Arbeit von Jean-Francoise Sivadier Gefallen findet, wie sonst sollte er diesen Einkauf auch verteidigen.

 Die Staatsoper konnte früher aus dem Ensemble locker einen Alfredo besetzen, der mit der Weltklasse mithalten konnte. Der Name Giuseppe Zampieri stand da z.B. für eine solche Qualität, sein Einsatz als Ersatz für Größen wie etwa für einen di Stefano oder einen Corelli bot keinen allzu großen Qualitätsverlust für den Abend. Jetzt hat man einen Francesco Demuro für den Alfred und dieser hätte für seine gesangliche Leistung früher die Bezeichnung “Krawatteltenor” erhalten und genau so klingt er auch – und das zu unserem Leidwesen, weil in Zeiten, in welchen in den Direktionen dem Gesang, aus Unkenntnis oder Unvermögen, wie auch immer, offensichtlich weniger Bedeutung beigemessen wird, als etwa dem Einfluss des Regisseurs. Nun, Letzterem wurde mit einem schönen, entblößten Oberkörper des Tenors wohl genüge getan.

 Wenigstens konnten die Titelrollenträgerin und auch noch der Einspringer des Abends mit ihren Leistungen reüssieren. Ermonela Jaho benötigte etwas länger, um ihren breit geführten, dunklen Sopran vom gaumigen Beiklang zu befreien und ausdrucksstark zum klingen zu bringen und sie überzeugte auch, soweit das die Inszenierung zuließ darstellerisch. Giorgio Meoni, bekannter Gast als Kavaliersbariton in den meisten europäischen Opernhäusern konnte mit seiner kräftigen, gut geführten und höhensicheren, allerdings wenig farbigen Stimme überzeugen. Dass er im letzten Bild mit dem selben Anzug herumrennen muß wie beim Fest Floras ist ein falscher Spargedanke am Haus, oder soll das ganze doch nur eine miserable Opernprobe darstellen, deren Schlußszene einer Parodie entstammen könnte, in welcher statt des Zusammenbruchs Violettas plötzlich hinter ihr Annina zu Boden plumpst?

 Von den Nebenrollen gefielen Lena Belkina als Flora mit einem virilen Mezzo, Donna Ellen in ihrer angestammten Rolle als etwas hantige Annina, Clemens Unterreiner als Douphol sowieso und Dan Paul Dumitrescu als Dottore mit balsamischen Basströstungen.

 Die Wiener Philharmoniker, überhaupt der weiche Klang ihrer Celli, überzeugten ebenso wie der Chor unter Thomas Lang, alle unter der routinierten Leitung von Bertrand de Billy. Im Graben, da findet noch Verdi statt.

 

Peter SKOREPA

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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