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Wiener Staatsoper : Richard Wagner GÖTTERDÄMMERUNG

Volle Dynamik auf Odin komm raus : ADAM FISCHER und die Phillis

16.04.2018 | KRITIKEN, Oper

Bei den Gibichungens: Pesendorfer als Hagen, Gould als Siegfried und Konieczny als Gunther   Foto: M.Pöhn

Wiener Staatsoper

Richard Wagner   GÖTTERDÄMMERUNG
Der Ring des Nibelungen  –  3.Tag des Bühnenfestspiels
22. Auführung in der Inszenierung von Sven-Eric Bechtolf

15. April 2018 Von Peter Skorepa

 

Mit immerhin sechs Rollen- und einem Hausdebüt ist der letzte Ringabend unter großem Applaus zu Ende gegangen, Ziel von Ovationen wurde einmal mehr der Spätstarter am Pult mit der ruhigen Entwicklung – man denkt an den abgewandelten Goethe-Spruch „Es bildet ein Talent sich in der Stille“, ein Dirigent sich in dem Strom des Repertoires – nämlich ADAM FISCHER, der ebenfalls aus dem großen und erfolgreichen Kreis der Hans Swarowsky-Schüler stammt, über das Grazer Opernhaus als Korrepetitor etwa zeitgleich auch an der Wiener Staatsoper zu arbeiten begann. Seine erste Ring-Erfahrung in Bayreuth hatte er ab 2001 und zum Dirigenten des Jahres 2002 wurde er von einer bekannten Deutschen Opernzeitschrift gekürt.

Und wenn da, wie diesmal, dieser Erfahrungsschatz mit einem Opernorchester vom Schlage unserer Philharmoniker zusammen kommt, da kann man schon ohne Probe in einen Ring einsteigen, den Klangkörper bei Bedarf dämpfen und zügeln zur Freude der Sänger und ihn aber auch zu einer lustvollen Klangorgie begleiten, bei Rheinfahrten, zu donnernden Männerchören oder zur finalen Feuerbestattung, die auch optisch aus der allgemeinen Bescheidenheit der Ausstattung und auch Dank der Fett-Film hervorstach.

Zunächst die Debüts: Tomasz Konieczny wertete als Gunther die Rolle des Kümmerers unter den Gibichungen optisch und gesanglich wesentlich auf, Albert Pesendorfer stieß als Hagen am Tag vor der Aufführung zum Team, sein Spiel, sein Gesang waren von seiner hinterhältigen Schläue gekennzeichnet, eine Stimme die nicht das traditionell Rabenschwarze für diese Rolle mitbrachte, aber dafür mit scharfer und heller  Eindringlichkeit wirkte, und Martin Winkler der ideale Darsteller des neidzerfressenen Alberich, auch gesanglich hier am besten im Ring, wie er Hagen schleimerisch zu überreden versucht, für die Wiedergewinnung des Reifes zu kämpfen.

Das Debüt von Iréne Theorin krönte sie zwar durch sieghafte Spitzentöne in den Duetten mit Siegfried, war aber anfangs auch durch manche Anstrengung in der Mittellage gekennzeichnet. Jemand aus dem Stehplatzbereich glaubte durch vehemente Buhrufe beweisen zu müssen, dass er das nicht überhört hat. Anna Gabler als Gutrune und Nora Gubisch die Staatsoperndebütantin als Waltraute überzeugten durch gute Leistungen. Verbleibt noch Bongiwe Nakani als badeanzugtragende Flosshilde.

Der wahrlich sieghaft singende Sonnyboy Stephen Gould, bei dem vielleicht der manchmal etwas „bellend“ wirkende Tonansatz im Sprechgesang als störend empfunden werden könnte, wiederholte wieder seine Leistung als fast konkurrenzloser Heldentenor. Sein überzeugend wirken wollendes, fast schon überhebliches Verhalten hat er wohl vom zweiten Abend mitgenommen und wirkt nicht gerade sympathiefördernd. Aber bei Wagner scheint kein Platz für Demut und Einsicht zu herrschen.

Stephanie Houtzeel war zweite Norn und Wellgunde, Monika Bohinec erste Norn neben Caroline Wenborn als Dritte Norn, Ileana Tonca ergänzte als erste Norn. Für sie alle ein großes Sammellob. Die Herren des Staatsopernchors prägten den Mannenchor der Gibichungen zufriedenstellend wie immer.

Nach fünfundeinhalb Stunden gab es noch rund zwölf Minuten teils stürmischen Schlussapplaus.

 

Peter Skorepa
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