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Wiener Staatsoper: Giuseppe Verdi UN BALLO IN MASCHERA mit fünf Rollendebüts

21.04.2016 | KRITIKEN, Oper
Die beiden erfolgreichen Rollendebütanten an der Staatsoper: PIOTR BECZALA und DMITRI HVOROSTOVSKY

Die beiden erfolgreichen Rollendebütanten an der Staatsoper: PIOTR BECZALA und DMITRI HVOROSTOVSKY

Wiener Staatsoper    
Giuseppe Verdi  UN BALLO IN MASCHERA

19.April 2016
88.Aufführung in der Regie von Gianfranco de Bosio

 

Keine Frage, das Repertoiresystem der Wiener Staatsoper läßt fast immer durch Wechsel in der Besetzung der Hauptrollen spannende Vergleiche an Sängern aufkommen, manchmal auch gewürzt durch Umbesetzungen, wie sie vor allem in jenen, den Kehlköpfen zusetzenden Monaten der winterlichen Übergangszeit vorgenommen werden.

Diesmal waren aber alle angekündigten Sänger und Sängerinnen angetreten, davon gleich drei, die ein spannendes Rollendebüt der Hauptpartien am Haus versprachen und auch mit Erfolg absolvierten.

Piotr Beczala war in einem weiteren Schritt in seiner stimmlichen Entwicklung zu bewundern, vom rein lyrischen Tenor ist er jetzt im Zwischenfach angekommen, ein richtiger tenore lirico spinto ist hörbar geworden, der sich in nächster Zeit auch mit dem Fernziel eines jugendlichen Wagnerhelden abgeben wird. Leider noch nicht bei uns. Für ihn war es gestern jedenfalls ein Leichtes, mit dem von ihm gestalteten Schwedenkönig nach kurzer Anlaufzeit zu strahlenden Spitzentönen und leidenschaftlichen Phrasen zu finden, die das Publikum begeisterten. Ja, da war in Ansätzen schon die Entwicklung eine Squillos hörbar, jenes dynamische und klangliche Aufgehen der Stimme in den höheren Lagen.

Dmitri Hvorostovsky war der andere Rollendebütant, dessen allgemeines Interesse einerseits einer für Wien neuen Rolle galt, dem aber im Besonderen sein Comeback nach dessen schwerer Erkrankung galt und das nach einem großen Aufatmen sogar als äußerst gelungen bezeichnet werden kann. Man freut sich mit ihm, dem sympathischen Sibirjaken, noch dazu über seinen blendenden stimmlichen Einsatz bis in höchste Höhen und nach wie vor über sein sein markantes Timbre.

Krassimira Stoyanova als Amelia

Krassimira Stoyanova als Amelia

Krassimira Stoyanova  war die Rollendebütantin des Abends, die Dank ihrer ruhigen und stilvollen Anlehnung an die Verdischen Kantilenen zu überzeugen im Stande war, eine “still” duldende Diva ohne Allüren, nicht nur auf der Bühne. Und dafür gebührt ihr Dank und Anerkennung, was ihr vom Publikum auch genügend zu Teil wurde.

Von den übrigen Damen fiel die Ulrika der Nadia Krasteva durch ihre Dezenz, aber trotzdem durch prägnante musikalische Gestaltung der Wahrsagerin und Hila Fahima durch Glanz in ihrer koloraturengespickten Rolle auf.

Und mit dem jungen Bariton aus der Ukraine, den in Odessa ausgebildeten Igor Onishchenko, Jahrgang 1993, wächst bereits die nächste Generation an Baritonisten aus dem Osten heran. Der Stipendiat von NOVOMATIC sang in seinem Rollendebüt den Matrosen Christian.

Alexandru Moisiuc und Sorin Coliban orgelten bewährt für die Oppositiuonskräfte Schwedens als Grafen Horn und Warting. Und Thomas Ebenstein vertrat in seinen beiden Rollendebüts einen Richter und einen Diener.

Bei Jesús López Cobos war Verdi mit Sicherheit gut aufgehoben, die Philharmoniker spielten, so wie befohlen, etwas knallig – was ja stellenweise tatsächlich passt –  aber auch auffallend oft sich gröberer Lautstärke und einer gewissen “Bodenhaftung” bedienend.

Großer Jubel für die gesamte Mannschaft, naturgemäß ganz besonders für Sopran, Tenor und Bariton.

 

Peter Skorepa
MerkerOnline

Foto: M.Pöhn-Wr.Staatsoper

 

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