Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIENER STAATSOPER: FALSTAFF – gediegen – souverän – routiniert

04.12.2016 | Oper

WIENER STAATSOPER:  FALSTAFF – gediegen – souverän – routiniert am 4.12.2016

Vorhang~1
Copyright: Wiener Staatsoper/ Michael Pöhn

Die Überschrift für diesen Opernabend könnte „Gediegen – Souverän – Routiniert“ lauten. Alle drei Eigenschaften sind bei dieser neuen Produktion der Wiener Staatsoper in reichlichem Maß vorhanden. Das beginnt beim Regisseur David Mc Vicar, an dessen Haupteinsatzort, der MET, einige bewährte Produktionen zu sehen sind. Mc Vicar versteht sein Handwerk bestens, er misstraut nicht der Musik und dem Text, hält nichts von psychologischen Experimenten, sondern lässt die Kirche im Dorf. Der alte Möchtegern-Frauenheld tappt tapfer in die gelegten Fallen, bringt einiges an Selbstironie mit ins Spiel und ist am Ende ein guter Verlierer. An der Personenführung ist nichts auszusetzen, das geschickt gebaute Bühnenbild, das mit nur wenigen Veränderungen auskommt stammt von Charles Edwards, die Kostüme von Gabrielle Dalton sind ansehnlich und passen zur Zeit und Handlung des Geschehens. Wenn dann noch der bestmögliche Falstaff der Gegenwart auf der Bühne steht, kann nichts mehr schiefgehen. Ambrogio Maestri war auch an diesem Abend ein wahrer Turm in der Schlacht. Seine schauspielerischen Fähigkeiten kommen in der Rolle des eitlen Gockels bestens zur Geltung. Mit seiner großen und wohlklingenden Stimme dominierte er die Szene nach Belieben. Auch Ludovic Tezier konnte als Ford sehr gut gefallen, er bot mit seinem kernigen Bariton dem alten Haudegen trefflich Paroli. Ein Versprechen für die Zukunft könnte Paolo Fanale sein, der bei seinem Debüt als Fenton besonders in den zart-lyrischen Stellen gefiel. Man merkte allerdings, dass in den Ensembleszenen einiges an Kraft fehlt.

Von den vier Damen wäre eigentlich nur Hila Fahima als Nanetta zu loben. Ihr feiner Sopran passte ausgezeichnet in diese Rolle. Marie-Nicole Lemieux sang die Mrs.Quickly mit rauer Stimme und wenig begeisternder Tiefe. Mit Carmen Giannattasio konnte man ein weiteres Debüt in der Rolle der Alice Ford erleben. Ihrer angenehm timbrierten Stimme fehlte es etwas an Ausdruckskraft. Sehr unauffällig agierte Lilly Jorstad als Meg Page. Ein kleines Manko war, dass die Damen gesanglich nicht optimal harmonierten. Sehr gut waren die weiteren Rollen besetzt: Thomas Ebenstein als Dr.Cajus, Herwig Pecoraro als Bardolfo und Riccardo Fassi als Pistola.

Zubin Mehta dirigierte das hervorragend spielende Orchester mit der „Weisheit des Alters“. Jeder Takt der Partitur war für den Zuhörer ein Genuss, so vollendet hörte man Verdis letzte Oper schon lange nicht mehr. Viel Jubel am Schluss für alle beteiligten Künstler – einschließlich des Regie-Teams, und das kommt äußerst selten vor.

Johannes Marksteiner

 

 

Diese Seite drucken