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Wiener Staatsoper „DON CARLO“ mit konzertantem Ausklang 25.9.2014

26.09.2014 | KRITIKEN, Oper

Wiener Staatsoper
“DON CARLO”    25.9.2014 
13.Aufführung in dieser Inszenierung

Roberto Alagna ließ nach seinem Ausfall George Petean alleine sterben

Roberto Alagna ließ nach seinem Ausfall George Petean alleine sterben

 
Verdis „Don Carlo“ mit unfreiwilligem konzertanten Schluss

 

Als nach der Pause Roberto Alagna, der bis dahin seine bekannte und respektable Rolleninterpretation abgeliefert hatte, krankheitshalber aussteigen musste, blieb Direktor Meyer nichts anderes übrig, als statt der letzten beiden Bilder einen Arienausklang anzusagen. Und so nützten George Petean und Adrianne Pieczonka die Situation, ihre beiden restlichen ariosen Leckerbissen konzertant anzubieten.

Beste Leistung des Abends Adrienne Pieczonka

Beste Leistung des Abends Adrienne Pieczonka

Zunächst starb George Petean relativ einsam ohne Beihilfe seines Freundes, zuerst mit dem Abschiedsarioso (“Per me giunto…”) und dann, nach längerer Verständigungsdiskussion mit dem Dirigenten auch mit dem Tod Posas (“O Carlo ascolta…”). Da er weitaus konzentrierter als in den Akten davor sang und auch mit entsprechendem stimmlichen Einsatz, verbesserte er seinen musikalischen Gesamteindruck um Etliches. Dass er aber ansonsten wie ein Bauer mit seiner häßlichen Schürze herumrennen musste, sein Spiel noch dazu nicht mit der Vorstellung eines Spanischen Edelmannes in Einklang zu bringen war, das beeinträchtigte seinen Posa wesentlich. Und Adrianne Pieczonka krönte ihre schon in den Akten zuvor gezeigte Leistung mit ihrer ausgezeichnet gesungenen Arie des letzten Bildes (“Tu che le vanita…”).

Keine Frage, das richtige Rollendebüt (In der Vorstellung zuvor kam sein Einsatz von der Seite und das erst nach der Pause) von Sorin Coliban konnte nicht befriedigen. Zu unstet und unruhig die Gesangslinie mit auffallend voluminösem Einsatzes seines Höhenregisters, aber letztlich einer eher schwach ausgebildeten Tiefe, auch klang die Stimme ungenügend fokussiert. So gab es für seine große Arie, der daher die Balance fehlte, nur schwächlichen Beifall mit einer Länge von kaum mehr als fünfzehn Sekunden. Ein Debüterfolg sieht anders aus und hätte auch dank des Stimmmaterials und der Bühnenerscheinung besser ausfallen können und müssen, dieses Einspringen kam jedenfalls zu früh.

Da hatte die Rollendebütantin der Eboli, die Russin Elena Maximova schon eine fertige Leistung zu bieten. Sie meisterte die Tücken des Schleierliedes ebenso wie die dramatischen Ausbrüche bis hin zu ihrer großen Arie. Schauspielerische Leistungen werden ja den Sängern in dieser langweiligen Stehinszenierung des Daniele Abbado so gut wie keine abverlangt, so war auch sie wie alle anderen aufs Händeringen eingerichtet. Gerade dass einmal Coliban als Filippo in Rage kam und seinen Thron umkreiste oder sich dem Inquisitor handgreiflich näherte.

Roberto Alagna war, wie schon erwähnt, bis zu seinem Ausscheiden ein viriler Carlo, bot stimmlich eine weit in neue dramatische Fächer weisende Leistung. Da teilen sich statt des Lohengrin, wie in einem Interview als Wunschpartie angedeutet, schon höherrangige dramatische Ziele mit, sowohl bei Verdi als auch bei Wagner.

Ain Anger war ein wirksamer Großinquisitor, aber ein Rollentausch mit dem Filippo wäre für beide Sänger von Vorteil. Der Frate von Jongmin Park fiel angenehm auf, ebenso schönstimmig Jinxu Xiahou als Conte di Lerma und Ileana Tonca als Tebaldo. Ebenfalls genußvoll anzuhören die, allerdings verstärkte Stimme vom Himmel der Valentina Nafonita.

Alain Altinoglu war um Italianitá bemüht, sehr oft ließ er es gehörig krachen, auch zum Nachteil der Sänger, aber beim Vorspiel zur großen Arie des Königs und bei dem unfreiwilligen Arienkonzert zeigte er, dass er die Philharmoniker im Graben auch zu feinem Spiel animieren kann.

Seltsamerweise war der Galeriestehplatz seitlich fast leer, von der derzeit so heftig andiskutierten Unruhe in diesen Bereichen war daher nichts zu merken. Der Schlussapplaus war kurz und konzentrierte sich auf Petean, Anger, Maximova und Pieczonka.

 

Peter Skorepa
MERKEROnline

 

 

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