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WIENER STAATSOPER: DER ROSENKAVALIER. Wienerischer geht’s kaum…

07.04.2015 | Allgemein, Oper

Wiener Staatsoper, Der Rosenkavalier, 6. April 2015

Wienerischer geht’s kaum


Elina Garanca als Octavian. Foto: Wiener Staatsoper/ Pöhn

Allzu viele Gelegenheiten wird es nicht mehr geben ElīnaGaranča in ihrer Paraderolle als Octavian in Wien zu bewundern. Denn die Stimme der Lettin hat sich nun endgültig ins dramatischere Fach gewandelt, ist heller geworden, klingt eher wie ein „fauler“ Sopran als typisch mezzohaft abgedunkelt. So steht demnächst für sie auch die Santuzza am Programm. Am Ostermontag hatte das Wiener Publikum jedoch noch einmal Gelegenheit sie nach einem wunderbaren Rosenkavalier zu bejubeln – und das mit vollem Recht. Denn Garanča hat diese Hosenrolle im kleinen Finger, mit ihrer großgewachsenen Statur nimmt man ihr den jugendlichen Liebhaber jederzeit ab. Aber auch als Mariandel spielt sie ihre schauspielerische Stärke aus (die Leberknödelszene in Akt 3 gelang ihr mit Wolfgang Bankl besonders gut). Und was noch erfreulicher war als der „erwartete“ Triumph des Publikumslieblings, das war die übrige Besetzung der Hauptrollen, die im Vorfeld einigermaßen erstaunte: Ensemblemitglied Wolfgang Bankl als Ochs, die gebürtige Österreicherin und gar nicht so oft gastierende Martina Serafin als Feldmarschallin und die beiden Produktions-Neulinge Jochen Schmeckenbecher (Faninal) und Erin Morley (Sophie).

 Auf dem ersten Blick stellte der Programmzettel also keinen Garant für einen Galaabend dar, aber so kann man sich täuschen. Denn wie eine Serafin die Wehmut und die Würde der Feldmarschallin darstellte sowie mit ihrem silbrigen Sopran mit angenehmen Timbre sang, das war vom Feinsten. Sie fand auch den typisch wienerischen Tonfall der Sprache, was man auch von Bankl und Garanča behaupten konnte. Die dritte Frauenpartie war der Amerikanerin Erin Morley anvertraut, die mich schon als Gilda in der Rigoletto-Premierenserie positiv überraschte. Ein wenig zu konservatoriumshaft legte sie die Partie zwar gesangsmäßig an, anfangs schien das Vibrato auch noch recht stark, dies schien aber der Nervosität geschuldet, später fügte sie sich besonders in den Ensembleszenen aber sehr gut ein. Von der Rollengestaltung sah man eine brave Tochter mit schon beachtlichem Selbstvertrauen. Auch Bankl übertrieb nicht als Ochs: Kein Abrutschen ins Outrieren, ein schlauer Baron, der bald die ganze Chose durchschaute und dessen Stimme sich derzeit in bester Verfassung befindet, sowohl in der Höhe (mit einem piano angesetzten „Heu“ im ersten Akt) als auch in der Tiefe(mit einem endlosen Schlusston in Finale II). Es dürfte eine seiner besten Vorstellungen am Haus gewesen sein. Der FaninalSchmeckenbechers ist noch ausbaufähig, wenngleich er den Neureichenstatus des Neo-Adeligen ideal traf. Eine solide Leitmetzerin gab die in diesen Tagen in Wien vielbeschäftigte Caroline Wenborne, das IntrigantenpaarValzacchi und Annina war mit Benedikt Kobel (sprang kurzfristig für Thomas Ebenstein ein) und Ulrike Helzel besetzt – beide mit soliden Leistungen.

 Von den Komprimarii sei nur Herwig Pecoraros Wirt herausgehoben, eine Luxusbesetzung! Skurril gestaltete sich der Auftritt des Sängers: Norbert Ernst musste kurzfristig Jinxu Xiahou ersetzen und schien nicht ganz glücklich damit – man wusste nicht, ob sein „Di rigori armato“ als Persiflage gedacht war oder ernst zu nehmen sei. Schwamm drüber, zum Einzelvorhang nach dem ersten Akt erschien der Sänger wohlweislich nicht.

 Uneingeschränkter Jubel hingegen für das restliche Team, ein besonderes Lob an dieser Stelle für Adam Fischer, der mit dem Staatsopernorchester sehr wienerisch ans Werk ging.

 P.S.: Als manchesmal recht vehementer Kritiker der Operndirektion (gerade was das italienische Repertoire anbelangt) darf ich an dieser Stelle meinen Hut ziehen. Einerseits für den Mut, rund um das Osterwochende die drei Werke Elektra, Parsifal und Der Rosenkavalier (von 1. bis 8. April en suite an insgesamt sieben Abenden) anzusetzen – allesamt nicht gerade Touristenhits! Andererseits für deren wirklich tolle Umsetzungen, die so manche anderortigen „Festspiele“ alt aussehen lassen. In Wien heißt so etwas immer noch Repertoire!

 

Ernst Kopica

 

 

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