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Wiener Festwochen: GO DOWN, MOSES

27.05.2015 | KRITIKEN, Theater

Go down Moses Luca Del Pia~1
Foto: Wiener Festwochen / Luca Del Pia

Wiener Festwochen im Theater an der Wien: 
GO DOWN, MOSES von Romeo Castellucci
Eine Produktion der Socìetas Raffaello Sanzio
Premiere: 27. Mai 2015 

Romeo Castellucci ist der Mann, der bei den vorigen Festwochen die Ruhe einer Wachkomapatientin störte, um seine Version von Glucks „Orfeo ed Euridice“ möglichst spektakulär aufzubereiten, was ihm in aller denkbaren Peinlichkeit auch gelungen ist. Heuer kommt er mit einer Eigenproduktion seiner Compagnie, die geschmackvollerweise „Socìetas Raffaello Sanzio“ heißt (wie kommt der arme Raffaello Santi aus Urbino dazu?) und prunkt mit einem Etikettenschwindel, der sich „Moses“ nennt.

„Go down, Moses“, eineinviertel verlorene Lebensstunden, wenn man mit dem Gebotenen absolut nichts anzufangen weiß, ist – ja, wie heißt es so schön im „Werbetext“? Der Regisseur wolle „mit seinen Bildern verstören, irritieren, Schamgefühle auslösen.“ Und „keine Geschichte vorführen, die man mit Worten nacherzählen könnte.“ Und „eine bildermächtige, bilderberauschte Performance“ bieten, „die wie Malerei daherkommt, die auf verblüffende Weise eine Ahnung, eine Vision suggeriert“. Wovon, das hat der wortmächtige Autor dieser Interpretation nicht gesagt. Und auch nicht, dass Castellucci sich in dieser kurzen Zeitspanne, die länger wirkt als ein Zehn-Stunden-Marathon, der elementarsten aller Theatersünden schuldig macht: Es ist einfach langweilig…

Langweilig, wenn Leute über die Bühne gehen. Wenn sich eine Frau auf dem Klo endlos in ihrem Blute wälzt, weil sie offenbar gebiert. Wenn sie endlos einem Verhör unterzogen wird, wo das Baby denn sei – und sie sich endlich, in tadellosem Italienisch, dazu bereit findet zu erklären, es sei in einem Körbchen im Nil. Der ja in Italien um die Ecke ist… Ja, und dann ist man in einer Höhle, wo irgendwelche Steinzeitmenschen herumwanken. Und das war’s auch schon. In der Ferne glüht ein Licht.

Zwischendurch gibt es ohrenbetäubende Geräusche (irgendein Turbinenteil rotiert auch mit irgendwelchem Stoff, der darauf fällt), irgendwann spielt auch Dürers Hase mit, und im Grunde sieht man nichts richtig, weil sich alles hinter Gazeschleiern abspielt – das soll wohl mystisch sein.

Wie hat doch Andy Warhol über Kunst gesagt? „Art is what you can get away with.“ Das lässt sich wohl auch über das Theater des Romeo Castellucci sagen.

Renate Wagner

 

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