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WIEN/ Wiener Festwochen/ Theater Akzent: BURT TURRIDO. AN OPERA. Skurrile Weltenshow auf der Country-Welle

27.08.2021 | Oper in Österreich

Wiener Festwochen im Theater Akzent: „Burt Turrido. An Opera“ – skurrile Weltenshow auf der Country-Welle

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Foto: Youtube/Sreenshot

Nonsens – vom Off-off-Broadway? Oder doch nicht so? “ … an opera“ heißt es im Titel. Und Burt Turrido ist offensichtlich der Titelheld. Nicht so ganz. Echte Helden gibt es hier trotz kreischender egozentrischer Queen und einem stattlichen Mutterkomplex-King keine. Eine absurde Untergangsstimmung wird herauf beschworen: Schiffbrüche, Ertrinkende, Exekutionen, eine von Klima und Müll devastierte kleine Insel im weiten blauen Meer, auseinander klirrende zwischenmenschliche Beziehungen, Psychodefekte der Reihe nach, Suche nach persönlicher Schuld im Leben, Seejungfrau und nett herumhüpfende Geister der Ertrunkenen und noch viel, viel mehr.

Das in New York beheimatet Nature Theater of Oklahoma (Chefs, Schreiber, Regisseure der Performance-Kollektives: Kelly Cooper & Pavel Liska) ist in Europa bekannt, wurde für diese ihre ganz aktuelle Produktion vom deutschen wie europäischen Kulturnetzwerk finanziert.  An opera? Gesungen wird ununterbrochen. In unmäßig überdehnten Songs, mancher weit länger als so manch große Opernarie. Doch …. man darf dabei locker mitwippen: Country and Western, Viervierteltakt und elektronisch, und dies wird von den fünf so frech spiel-, gesangs- und tanzfreudigen Personen auf der bunten Bühne super gemanagt. Auch die ausufernden Actions und wippende Tänzchen. Nur Vorsicht: Das alles marschiert auf dem american way, mit all seinen stimmlichen Facetten und Urlauten und Stereotypien. Und wer sich in diese von so skurriler Phantasie getragenen Stimmungen nicht einzuleben vermochte …. nun, der hat den Saal verlassen.

Klingt wild, doch diese extrem ausgedehnte parodistische Show versprüht Charme, einen von Sarkasmus getragenen, und ist mit vielen intelligenten Pointen und durchaus feiner Poesie gespickt. Gewiss die größte Hilfe dabei: die andauernd swingende Countrymusic. Im Grunde wirkt die überlange Szenenfolge wie ein heutiges, mit Hollywood-Phrasen getränktes Grimmsches Märchenbuch. Wie ein solches durchsetzt mit gar garstigen Geschichten, welch hier mit verständnisvollem Schmunzeln aufgenommen werden müssen. Nochmals: die Ausgangspunkte dieses Sammelsuriums sind die aktuellen weltweiten Menschheitsübel wie Bootsflüchtlinge, Covid-Pandemie, Bedrohungen der Natur. Dies alles setzt sich wie ein Puzzle zusammen. Vor allem aber erzählt eine der Schichten dieser Unoper schon recht klar, dass in den Beziehungskonflikten, den sexuellen Kontroversen, in all den verdrehten Wahrheiten die Erfüllung einer wahren Liebe wohl nicht möglich sein dürfte.

Meinhard Rüdenauer

 

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