Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN / Wien Museum: KLIMT

16.05.2012 | Allgemein, Ausstellungen

 

WIEN / Wien Museum:
KLIMT
DIE SAMMLUNG DES WIEN MUSEUMS
Vom 16. Mai 2012 bis zum 16. September 2012 

Wenn schon, denn schon – alles!

Ein so „rundes“ Jubiläum wie ein 150. Geburtstag, das passiert nicht alle Tage, und nicht jeder Museumsdirektor erlebt es von einem „Superstar“. Darum haben sich ja auch alle großen Wiener Museen („die Familie der Wiener Museen“, wie Wolfgang Kos sie nennt) entschlossen, Klimt zu seinem 150. Geburtstag in einer geradezu schrecklich konzentrierten Aktion zu ehren. Wobei Kos den Kollegen für ihre individuellen Ansätze großes Lob zollt – und dieses auch für sich erhofft. Denn er hat einen großen Entschluss gefasst: Er zeigt absolut alles, was er von Klimt besitzt, und das ist die weltweit größte Sammlung (!). Das sonst meist bevorzugte qualitative „Best of“ weicht der quantitativen Vollständigkeit. Und man kann sagen: Es ist gelungen.

Von Renate Wagner

Was so zusammen kam   Wenn das Wien Museum heute allein 411 Zeichnungen von Gustav Klimt besitzt, so geht ein Großteil davon auf eine Schenkung von dessen Schwägerin zurück, der Rest wurde in Zeiten gekauft, als die Preise noch nicht astronomisch waren. Von acht Ölgemälden sind zwei Superstars darunter: Das Bildnis von Klimts Lebensgefährtin Emilie Flöge (ohnedies immer das Prunkstück des Hauses) und seine aus dem Kunsthandel erworbene „Pallas Athene“. Eine Kostbarkeit ist auch die Aquarell-Gouache, die Klimt vom Zuschauerraum des Alten Burgtheaters schuf. Neben Fotos gibt es noch ein paar Besonderheiten – hier besitzt man nicht nur des Künstlers Totenmaske, sondern auch eine Skizze, die Schiele nach seinem Tod von ihm herstellte (eine andere hat man bei Leopold).

 

Die berühmtesten Damen: Pallas Athene und Emilie Flöge

Die logistische Problematik    Wie stellt man dergleichen in dem einen, nur durch ein paar Zwischenwände zu gliedernden Ausstellungsraum des Parterres aus, wobei es ja die Masse der Graphiken ist, die das Problem darstellen? Emilie Flöge steht stolz inmitten des Raums – und die Graphiken hängen Bild an Bild fugenlos an den Wänden. Man konnte sie dermaßen zwar thematisch und chronologisch gliedern (was faszinierend ist), aber nicht beschriften. Das Museum hofft, dass die Büchlein mit den Beschriftungen, die zur freien Entnahme aufliegen, auch wieder zurück gegeben werden… Sicher, Graphiken in der obersten Reihe sieht man natürlich nicht ordentlich, und man weiß, dass viele Zeichnungen so zart sind, dass man sie kaum erkennen kann. Hier springt der Katalog ein, der auch die erste Aufarbeitung des kompletten Klimt-Bestandes des Hauses darstellt. Alles da – auch vom Burgtheaterbild die genaue Auflistung aller „Promis“ von anno dazumal, die Klimt dort hineingemalt hat.

Von der Wiege bis zur Bahre   Im Vorraum findet man die im Hause vorhandenen Klimt-Fotos, darunter jenes seines Geburtshauses, und in einer Vitrine die eindrucksvolle Totenmaske. Es gibt zwei Büsten von ihm, vor allem aber seinen blauen Malerkittel – zweifellos nur einer von vielen seines Lebens, aber eben der einzige, der erhalten ist. Dergleichen hat dann doch den eigentümlichen Reiz der echten „Devotionalie“. Es ist, wie Wolfgang Kos betont, eine Ausstellung ohne eine einzige Leihgabe. Und vielleicht ist es ja ein Vorteil der schlechten Zeiten, wo nicht so viel Geld zur Verfügung steht, dass Häuser sich nun auf ihre eigenen Bestände besinnen, statt Unsummen für Leih- und Versicherungsgebühren zu investieren, die anfallen, wenn man Werke aus anderen Museen holt (wobei das im allgemeinen ja doch nicht zu vermeiden ist).

Nachdenken über Klimt    Das Nachdenken über Klimt – „Man kann ihm nicht nur affirmativ gegenüberstehen“, sagt Wolfgang Kos -, unternimmt die Ausstellung schon in der Halle hinter dem Eingangsbereich. Dort werden Plakate von Klimt-Ausstellungen gezeigt (wobei das Wien Museum selbst ihm bisher nur eine einzige eigene Ausstellung gewidmet, aber seine Bestände buchstäblich in die ganze Welt verliehen hat…), aber auch solche, die von Klimt gewissermaßen „inspiriert“ sind. Die Plakate demonstrieren die Imagebildung Wiens mit Hilfe des Klimt-Schwerpunkts (und der klischeehaften Umsetzung seiner Vorgaben). Negative Stimmen zum Klimt-Overkill wurden eingeholt, Bedenken wegen seines ornamental-unidividualistischen Frauenbildes ebenso wie über die Tatsache, dass Wien im 21. Jahrhundert nicht mit der Gegenwart, sondern immer noch mit „Wien um 1900“ wirbt (wobei sich die Gegenwart auf dieser Ebene nicht wirklich mit der Vergangenheit messen kann…).

Lachen über Worst of Klimt    In einer abgetrennten Ecke hat das Museum einen amüsanten Gegenwartsbezug hergestellt, der allerdings jener des schlechten Geschmacks ist: Denn die Klimt-Memorabilien, sprich das Merchandising des Marketings, äußern sich in Schirmen und Handtischen, die mit dem goldenen „Kuss“ glänzen, mit Emilie Flöge auf Tassen und Marmeladengläsern, mit Klimt-Wein, Klimt Adventkalendern, Klimt Sammelsurium schier unglaublicher Art. Nein, dergleichen wird nicht im Shop verkauft (das Belvedere tut es sehr wohl und verdient wohl eine Menge daran…). Kurz, es ist ein vielschichtiges und zwiespältiges Erbe, das uns Klimt hinterlassen hat.

 

Bis 16. September 2012, täglich außer Montag 10 bis 18 Uhr

 

 

Diese Seite drucken