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WIEN / Volkstheater-Bezirke: SHAKESPEARES SÄMTLICHE WERKE (LEICHT GEKÜRZT)

09.05.2013 | Theater

 

WIEN / Volkstheater in den Bezirken:
SHAKESPEARES SÄMTLICHE WERKE (LEICHT GEKÜRZT)
von Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield
Premiere: 08. Mai 2013,
besucht wurde die Voraufführung am 07. Mai 2013 

Diese in mittlerweile breiteren Publikumskreisen bekannte Theaterklamotte handelt davon, dass sich drei Schauspieler an jenem Mann vergehen, dem sie und ihre Berufsgenossen am meisten verdanken: William Shakespeare. Die Schöpfer dieses “Studentenulks” hießen Adam Long, Daniel Singer und Jess Winfield, und sie brachten ihre schwankhafte Auseinandersetzung mit dem großen Dichter zuerst 1987 in Edinburgh heraus und erreichten in der Folge eine immerhin neunjährige Laufzeit in London. Keine Frage, ihre Idee funktioniert. Man muss sie nur verdammt gut realisieren.

„Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ ist eine etwas über zwei Stunden dahinhetzende Parfocejagd zwischen „Romeo und Julia“ am Beginn und „Hamlet“ am Ende, wobei der Spaß von drei Schauspielern, Theater zu machen, ebenso hoch anzusetzen ist wie die zweifellos geschickte Dramaturgie der Stücke – aus der Rolle fallen, blitzartig die Klamotten wechseln, Frauen piepsen und blöde Bemerkungen machen, die sich dann auch auf konkret Privates der Darsteller beziehen (wie ist es denn, Werbung für… zu machen?), was kann es Schöneres geben?

Wie bringt man sie wirklich unter einen Hut, sämtliche Shakespeare-Stücke (man kann gar nicht exakt sagen, wie viele es sind, denn über manche Zuschreibung wird bis heute gestritten – 37 vielleicht)? Da muss einem schon was einfallen – von der Fernsehküche, in der „Titus Andronicus“ gewissermaßen „gekocht“ wird (es ist natürlich dem Vergnügen förderlich, wenn man die Werke kennt) über „16 Komödien zu einem Stück zusammengemantscht“, dessen neuer Inhalt rezitiert wird, von „Macbeth“ in schottischer Mundart (die sich irgendwie burgenländisch? umsetzt) bis zu fetzigen Römerdramen, wo man schon parodistisch Bezüge in die jeweilige Gegenwart herstellen darf, von „Troilus und Cressida“ als zeitgemäßer Performance (wobei es dem Regisseur gelingt, den aktuellen Kinofilm „Ted“ mit Pina Bausch zu vermischen) bis zu den Königsdramen als Fußballspiel (das Publikum johlt und scheint die Anspielungen zu erkennen). Und während man „Othello“ („der Mohr kann gehen“, falsches Zitat, ups! Machen wir halt ein bisschen Othello-Rap, er ist ja ein Neger, ups!) und „King Lear“ (hat in den Königsdramen nichts zu suchen) von der Bühne gejagt und solcherart elegant erledigt hat, steht dann am Ende noch das Stück der Stücke – Hamlet.

Für die Außenbezirksaufführung des Volkstheaters hat sich Anselm Lipgens in der Pawlatschen-Ausstattung von Hans Kudlich und den parodistischen Fetzen-Kostümen von Susanne Özpinar des Stücks angenommen, und offenbar kann man genügend Publikumswissen voraussetzen, dass auf das Stichwort „Sein“ im Zuschauerraum laut „oder Nichtsein“ geflüstert wird…Und doch, wie gesagt, steigert echtes Wissen um Shakespeare den Spaß darüber, was man ihm hier antut.

Der Abend ist mit Günther Wiederschwinger, Robert Prinzler und Christoph Fälbl (der auf seinen Hamlet bis zum Ende der Aufführung warten muss) besetzt, aber möglicherweise stiehlt eine so couragierte Dame wie jene, die bei der Voraufführung als kreischende Ophelia auf die Bühne geholt wurde, den Herren die Schau (dazu gibt es die übliche Publikumsanimation im Stil der Fernseh-Show – Reihe 1 bis 3 wedelt mit den Händen, der Rest des Publikums schreit aus vollem Hals…).

Der Abend schwankt sich heftig und durchaus gekonnt über die Runden, nur wenn die drei Schauspieler/Autoren zum Finale doppelt übermütig werden und „Hamlet“ erst im schnellen Durchlauf und dann noch rückwärts (!) laufen lassen, stoßen die Interpreten dann an ihre Grenzen.

Das Publikum aber schien so angetan, als hätte es wirklich etwas über Shakespeare erfahren!

Renate Wagner

 

 

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