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WIEN / Volkstheater-Bezirke: DAS ENDE VOM ANFANG

24.05.2012 | Theater

WIEN / Volkstheater in den Bezirken: 
DAS ENDE VOM ANFANG von Sean O’Casey
Premiere: 23. Mai 2012,
besucht wurde die Voraufführung

Dieses Stück ist äußerst berühmt, aber man sollte es nur mit der Feuerzange anfassen. Denn Sean O’Caseys „Ende vom Anfang“, eine Vernichtungsschlacht, lässt sich nur in einer über die Maßen brillanten Inszenierung erzählen. Andrea Breth lieferte sie einst im Akademietheater, und da wurde  der Einakter (schier unerträglich) auf abendfüllende Länge gestreckt. In der Bezirksaufführung des Volkstheaters dauert er 50 Minuten, und selbst das ist zu lang. (Abgesehen davon, dass es nicht fair erscheint, ein Publikum, das für einen ganzen Theaterabend bezahlt hat, dann heimzuschicken…)

Was O’Casey da in den dreißiger Jahren schrieb, als Hommage an die Tradition britischer Farcen und Comedys, als Verbeugung vor Slapstick und Stummfilmen, ist der helle Wahnsinn. Dieser bricht aus, wenn Darry Berrill, der doofe irische Bauer, über „das bisschen Haushalt“ meckert (was ja bekanntlich immer schon eine Lieblingsauseinandersetzung zwischen Mann und Frau war) und mit der Gattin Rollen tauscht. Voraussetzung dafür, dass er innerhalb kürzester Zeit seine Wohnküche demoliert, ist die heftige Hilfe seines ebenso dummen Nachbarn Barry Derrill (schon vom Namen her die Kehrseite der Medaille). Gemeinsam geht das ganz flott und ist von O’Casey, darüber soll man sich keinen Illusionen hingeben, weit mehr bösartig-sadistisch als harmlos-fröhlich gemeint… Wer hier aus dem Lachen nicht herauskäme, weiß, dass er bösen Sadismus auslebt.

Natürlich hat O’Casey hier lauter törichte Dummies auf die Bühne gestellt, und Thomas Kamper und Matthias Mamedof wären schon vom Typ her richtig, sind zudem sehr gute  Schauspieler, die dies spielen könnten – wenn man sie richtig führte. Aber es bedarf wohl größerer Handwerkskünste als jener von Regisseur Michael Schachermaier, um auf der Bühne (Hans Kudlich, Kostüme: Erika Navas) scheinbar wie selbstverständlich  jene chaotischen Unmöglichkeiten zu zaubern, die da verlangt werden – wenn auch Mamedof einen Sprung auf einen Tisch hinlegt, bei dem einem die Luft wegbleibt (und den man nur mit seiner Vergangenheit als Skispringer erklären kann).

Aber die Zerstörungswut-Verstrickungen geraten einfach nicht überzeugend und auch nicht gnadenlos genug, der Abend eiert – so wie es Annette Isabella Holzmann auch zu Beginn leider nicht schafft, mit einer typisch irischen „Schimpf-Arie“ die Szene zu beherrschen, bevor sie abgeht. Auch diese wirkt hölzern.

Das Publikum konnte auch nicht in dem Ausmaß lachen, wie es vorgesehen war – manch einer trollte sich mit spürbarem Kopfschütteln und schien sich zu fragen, warum er für diese 50 Minuten hierher gekommen war…

Renate Wagner

 

 

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