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WIEN/ Volksoper: WONDERFUL TOWN

Der Sound, ja der Sound, der ist gut!

10.12.2018 | Operette/Musical

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Olivia Delauré (Eileen). Bildrechte: Wiener Volksoper/ Barbara Palffy

 

Premiere in der Wiener Volksoper
„WONDERFUL TOWN“, 9.12.2018 – Der Sound, ja der Sound, der ist gut!

Zurück in die goldenen Zeiten des US-Musicals. Über sechs Jahrzehnte zurück, in die 50er Jahre. In New York sind wir gelandet. Genauer: im Künstler- und Szeneviertel Greenwich Village. „A Little Bit in Love“ wird hier gesungen. Oder, um einiges verrückter – „Wrong Note Rag“. Also, der ‚Ragtime auf der falschen Note‘. Das hier in der Musik ganz sicher nichts falsch sein dürfte, sagt der Name des Komponisten: Leonard Bernstein. Knapp vor seiner „West Side Story“ komponiert. Und anlässlich Bernsteins 100. Geburtstages hat die Wiener Volksoper eine Koproduktion von „Wonderful Town“ von der Staatsoperette Dresden übernommen.

Der Premierenapplaus in der Volksoper hat sich schon sehr zustimmend angehört. Jedoch …. der übermäßig gedehnte erste Teil zieht sich in die Länge, die Flops und Befindlichkeiten der beiden Schwestern, welche aus dem Mittleren Westen nach New York zu übersiedeln versuchen und dabei so ihre kleinen Debakel erleben, bringen insgesamt keine Spannung ins Spiel. Und rundum: Vom Ensemble stets lebendig, stets schwungvoll absolviert ….. doch der durchaus an Gags reiche Broadway-Showwitz dieser Epoche wirkt, so wie heute die Dialoge in den Blechernen Operetten, als eher magerer Boulevard. Leicht abgestanden, keineswegs zündend.

Auf zwei Ebenen ist Act One mitzuerleben: Einerseits Geplapper, Geplapper, Geplapper und viele Aktionen und der Reihe nach Turbulenzen, andererseits tragen die hier doch allzu spärlichen Musikeinschübe nicht die Handlung. Allerdings, die Marke Lenny Bernstein mit ihren feinnervig erdachten Songs, das ist sehr wohl eine besonders wertvolle Musikware. In Act Two kracht es aber dann sehr wohl: Swing, Swing! Der Schmiss der Musik mit ihren diffizilen Rhythmen und jazzigen Harmonien dominiert nun, die Tänzer sind jetzt so richtig gefordert, das Spektakel blüht auf. Somit: Gewonnen!

Dirigent James Holmes heizt mit opulentem Bläsersound an, trägt kraftvoll auf, und Choreographin Melissa King führt gekonnt vor, wie originell anno dazumal die Shows am Broadway aufreizend gestylt wurden. Regisseur Matthias Davids hat die Dialoge zwar leider nicht zusammen gestrichen, hält aber seine muntere Schar ordentlich auf Trab. Bühnenbildner Mathias Fischer-Dieskau entwarf eine praktikable Kulissenstadt, ohne wirklich nach New York zu verführen. Verführerisch springt jedoch die immense Spiellust der heftig gestikulierenden Sarah Schütz als kantige, Erfolg suchende Autorin Ruth auf das Publikum über. Ihre von den NY-Cops und anderen älteren Boys weit mehr bewunderte Schwester Eileen (Olivia Delauré) darf ein sonnigeres Gemüt zeigen. Drew Sarich ist als Redakteur Baker das Mäntelchen eines zynischen Liebhabers umgehängt. Dazu tummeln sich im Greenwich-Wirbel eine Reihe quick zappelnder Stichworte-Bringer herum.

Gut gespielt, ordentlich gesungen – mit „Wonderful Town“ hat die Volksoper einen kleinen Abstecher in die Historie des amerikanischen Musicals gewagt.  

Meinhard Rüdenauer

 

 

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