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WIEN/ Volksoper: TOSCA mit umjubeltem Rollendebut

05.10.2012 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Volksoper: UMJUBELTES CAVARADOSSI-DEBUT VON VINCENT SCHIRRMACHER – 4.10.2012

Die Wiener Volksoper ist drauf und dran ,über einen neuen Tenorliebling nach dem Motto „Je höher umso lieber“ zu verfügen – sein Name lautet Vincent Schirrmacher. Der jungen Mann ist 32 Jahre „jung“ und Kosmopolit, in des Wortes wahrster Bedeutung: seine Mutter ist eine chinesisch-schottische Sängerin, sein Vater ein mongolisch-japanischer Leistungssportler. Seine Karriere verlief von China über London sowie New York und Köln genauer über den österreichischen Lehrer Josef Protschka direkt nach Bad Ischl, wo er vor 3 Jahren für die Volksoper entdeckt wurde. Man kann dies wohl Schicksal nennen. Denn prompt begeisterte er inzwischen als Prinz in Rusalka, als Sou Chong und als Rosillon. Doch mit seinem ersten Wienern Cavaradossi hievte er sich eine ganze Etage höher. Und das Publikum feierte ihn ebenso wie Melba Ramos oder Egils Silins, die zur internationalen „Creme“ im Haus am Währingergürtel gehören. Bemerkenswert: er schmetterte nicht nur mühelos seine Spitzentöne – er vermochte in der berühmten Sternen-Arie sogar mit den gefürchteten „ Abschwellern“ aufzuwarten, die auch von den großen 3 Tenören nur fallweise geboten wurden. Soviel Tenor-Metall und Höhen-Wollust waren in der Volksoper jedenfalls schon lange nicht zu hören. Die Inszenierung von Alfred Kirchner (Bühne Karl Kneidl)– die Wiederaufnahem war bereits die 28.Vorstellung dieser Produktion – bewährt sich übrigens durchaus im Repertoire-Alltag. Vor allem der 1. und 3.Akt liefern einen stimmungsvollen Rahmen für eines der populärsten Werke der Weltliteratur. Nur die Binnen-Pawlatsche im 2.Akt ist weiterhin unlogisch und unfreiwillig komisch.

Aber bei Tosca entscheiden ohnedies die Stimmen und der Dirigent. Leider war mit Gerrit Prießnitz ein echter Dirigenten-Lehrling aufgeboten. Er wirkte vor allem im 1.Akt noch unsicher und mehrfach überfordert. Doch so wie sich die Vorstellung steigerte, gewannen auch die musikalischen Konturen. Melba Ramos aus Puerto Rico kommt ja im 1. Und 2.Akt an die Grenzen ihrer letztlich lyrisch-dramatischen Stimme. Ideal liegt ihr der 3.Akt. Bis dahin hatte Egils Silins, der lettische Bassbariton, der einst an der Volksoper mit dem Mephisto seine internationale Karriere gestartet hatte, die nötige Ausstrahlung. Sein Scarpia gehört in jene Kategorie, die einst George London oder Eberhard Waechter verkörpert haben. Marke: brutaler Macho mit Hollyswood-Äußerem! Tosca fühlt sich zumindest körperlich vom Polizeipräsidenten angezogen – ihre Ablehnung beruht auf intellektueller Standhaftigkeit – nicht einer kreatürlichen Grundstimmung. Stimmlich war der Lette diesmal besonders gut disponiert. Und am Ende wurde alle drei Hauptdarsteller mit Jubel und Pfiffen überschüttet. Den meisten Applaus heimste jedoch der Tenor ein – hier wurde wohl bereits ein Troubadour-Manrico von morgen gefeiert! Von den Komprimarii muss nur Christian Drescher als scharfer, zynischer Spoletta positiv hervor gehoben werden und Benedikt Volz als melancholischer Hirte vor der Engelsburg vom Kinderchor der Volksoper Wien. Der neue Cesare Angelotti – Peter Naydenov –wirkte überfordert, Andreas Daum blieb als Mesner farblos aber immerhin solide. Chor und Orchester der Volksoper ließen sich von den vokalen Qualitäten der Vorstellung anstecken- die neue Tosca hatte einen fulminanten Start –Reprisen (auch mit Schirrmacher) gehen bis Ende November.

Peter Dusek

 

 

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