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WIEN/ Volksoper: SALOME

24.10.2012 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Volksoper: SALOME – am 23. 10.2012

Fast genau ein Jahr nach unserer letzten Salome in der Wiener Volksoper war die Neugier und auch die Vorfreude recht groß, die fast identische Besetzung zum Vorjahr gab dazu Anlass.

Über die Inszenierung gab es recht widersprüchliche Meinungen; uns hat sie von Anfang an angesprochen, war verständlich und stimmig – allerdings nur, wenn man die Erläuterungen der Regisseuse Marguerite Borie nicht mit dem Gesehenen in Einklang bringen wollte. Sowohl im Libretto als auch auf der Bühne war und ist Salome niemals ein unschuldiges, jungfräuliches Mädchen, sondern eine machtgierige und befehlsgewohnte Königstochter, die sehr wohl wusste, was sie da als Belohnung für ihren Tanz verlangt.

Sehr beeindruckend das letzte Bild: Salome ganz alleine mit dem Kopf von Jochanaan, eine weiße Wand trennt sie von der Hofgesellschaft und das läßt uns ihre vollkommene Einsamkeit, Entrücktheit in diesem Moment des Wahns spüren.

Der Abend stand für uns unter dem Motto: laut, lauter, am lautesten. Das eigentlich sehr gut spielende Volksoperorchester – insbesondere die Blechbläser – wurden durch Gerrit Prießnitz offensichtlich ganz alleingelassen, des öfteren war die körperliche/trommelfellmäßige Schmerzgrenze erreicht. Durch die Lautstärke der gerade in Salome so wichtigen Blechinstrumente kamen die schön spielenden Streicher nicht immer durch, und so konnte manch eine reizvolle Sequenz kaum gehört werden. Da gibt es sicher noch Bedarf an Feinarbeit.

Leider musste Sebastian Holecek absagen, so kam der Lette Egils Silins kurzfristig auf die ihm wohl bekannte Bühne als Jochanaan zurück. Er bot eine tadellose Leistung, war ein Pluspunkt des Abends. Doch auch er musste mit den „Bläserwogen“ kämpfen, sein Gesang aus dem Brunnen war am Anfang kaum bis gar nicht zu hören. Später muss er ein Hilfsgerät bekommen haben, der erfreuliche Unterschied war zu groß. Unverändert gegenüber dem Vorjahr war die Salome der Morenike Fadayomi. Die erste Hälfte ihrer Rolle war durch starkes Vibrato beeinträchtigt, was aber mit der Zeit verschwand und ihr Schlussmonolog gelang beeindruckend.

Sehr gut dargestellt wurde das Herrscherpaar Herodes (Andreas Conrad – besonders wortdeutlich!) und Herodias (Alexandra Kloose), beide boten richtige Charakterstudien ihrer Rollen. Beide kämpften aber auch mit der Lautstärke aus dem Orchestergraben, was dem Gesang nicht immer zuträglich war. Erfreulich, denn sehr schön gesungen und auch absolut wortdeutlich, der Narraboth von Jörg Schneider. Ein Fixpunkt im Volksopernensemble, auf den man sich immer freuen kann. Unauffällig und kaum wahrnehmbar der Page von Dorottya Láng. An dieser Stelle sollen die weiteren, kleineren Rollen erwähnt werden, sie alle sangen und spielten rollendeckend.

Alles in allem eine gute Aufführung, mit etwas differenzierter spielenden Blechbläsern könnte sie  natürlich noch viel schöner sein. Ganz unverständlich für uns ist die sehr schwache Besucherzahl. Gerade jetzt, wo die Volksoper sich immer mehr den verdienten Ruf einer Alternative zur Staatsoper erkämpft, sollte das in den Besucherzahlen auch sichtbar sein. Hoffen wir halt auf das Fortschreiten der Saison, meinen

Maria und Johann Jahnas

 

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