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WIEN/ Volksoper: MY FAIR LADY – Alte Garde für das junge Volk

12.01.2013 | KRITIKEN, Oper

11.1.2013 : „MY FAIR LADY“ – Alte Garde für das junge Volk

 Die stolze Nummer 193. Die 193ste Vorstellung in der Wiener Volksoper der nun bereits über zwei Jahrzehnte alten Inszenierung von „My Fair Lady“ (Regie: Robert Herzl, Ausstattung: Rolf Langenfass). Früher Beginn, 18 Uhr, Geschenkzyklus. Nicht als Schüleraufführung angekündigt, aber mit zahlreichen Schulklassen besetzt. Bestens besucht. Und die vielen jungen, teils sehr jungen Besucher im Zuschauerraum haben sich mucksmäuschenstill und mit voller Hingabe ihrer Musical-Beglückung hingegeben. Also, die nun auch schon über ein halbes Jahrhundert alte Erfolgsshow frei nach G. B. Shaws „Pygmalion“ mit den vielen musikalischen Evergreens von Frederick Loewe (1904 – 1988, gebürtiger Wiener …. als Kleiner: Fritz Löwe) kann den Besucher mit ihrem Sog an längst vertrauten Ohrwürmern locker mitziehen.

 Auf der Bühne ist in dieser Aufführungsserie die ältere Garde des Hauses gestanden, und auch diese hat locker das junge Volk in den Griff bekommen. Mit feinen Nuancierungen von Lotte Ledl (Mrs. Higgins) oder Ulli Fessl (Mrs. Pearce), den beiden Burgtheater-Damen aus einer Zeit, als die „Burg“ noch österreichisch war. Oder mit der weit deftigeren Wortwahl – die Sprüche hier: wienerisch auf die gewöhnlichere Art – von Gerhard Ernst, der als präsenter Alfred P. Doolittle das Publikum gar zum Mitklatschen animieren konnte. Und Kurt Schreibmayer, geeicht als Bayreuther Wagner-Interpret, verleiht dem herrischen Alfred Higgins auch eine wienerisch legere Note. Eine durchaus liebenswerte für den sich sonst so hochnäsig aufführenden Sprachforscher. Da versteht man, dass sich schließlich doch irgendwie Herz zu Herzen findet. Dabei schlägt auch das noch junge Herz von Johanna Arrouas, der mädchenhaftesten aller Wiener Elizas, die beim Ascot-Derby mit ihren perfekt pointiert vorgetragen köstlichen Repliken auftrumpft. Josef Luftensteiner wacht als stattlicher Oberst Pickering achtsam auf seine Schäfchen, Paul Schweinester (Freddy) schmachtet nach Eliza.

Das Orchester (Dirigent: Michael Tomaschek) gibt zu erkennen, dass es in solchen Repertoire-Vorstellungen weniger aufmerksam auf Piano-Kultur achtet als an Premierenabenden. Ja, gesungen, gesprochen wird mit Microboards. Hat sich längst so eingebürgert – und dies bietet auch seine Vorteile.

Meinhard Rüdenauer

 

 

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