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WIEN/ Volksoper: MADAME POMPADOUR – Premiere

09.06.2012 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Volksoper: „MADAME POMPADOUR“ – Premiere am 8.6.2012


Boris Pfeifer, Annette Dasch. Foto: Barbara Zeininger

L e o  F a l l : Ein kurzer, ganz kurzer und einprägsamer Name. Und dennoch ist Fall auch für  das geneigte breitere Publikum der Volksoper heute ein kaum mehr vertrauter Operettenmeister. Leo Fall, 1873 in Olmütz geboren, 1925 in Wien gestorben, zählt als Dritter neben Lehár und Kálmán zu den außerordentlich erfolgreichen Komponisten der zweiten Blüte, der „Silbernen“, der Wiener Operette. „Der fidele Bauer“, „Die Dollarprinzessin“, „Die Rose von Stambul“ sind Erfolgsstücke von …. nun, man muss jetzt wohl schon so sagen …. sind die Erfolgsstücke von anno dazumal. Und die neue Inszenierung seiner „Madame Pompadour“, 1922 in Berlin uraufgeführt, hinterlässt wohl solch einen ähnlichen Eindruck. Leicht zwiespältig ist die Premiere in der Volksoper jedenfalls aufgenommen worden. Allerdings: Die aufwendige Produktion, mit viel Akribie von Regisseur HINRICH HORSTKOTTE und dem spielfreudigen mitgehenden Ensemble erarbeitet,  ist für alle Freunde verflossenen Operettenglanzes sehenswert. Und hörenswert. Ein bisschen eleganter, einschmeichelnder, mit zärtlicherem Zugang hätte Leo Falls feingliedrige Musik ruhig musiziert werden können (am Pult: ANDREAS SCHÜLLER). Auch etwas mehr Schmalz wäre angenehm erträglich gewesen. Denn so ein melodischer Einfall wie das der Amouren suchende Pompadour „Heut könnt´ einer sein Glück bei mir machen“ im betörenden Dreivierteltakt oder das spritzige Tanzlied „Joseph, ach Joseph, was bist du so keusch“ zählen zum Allerbesten aus dieser musikalisch reichen Epoche gehobener Unterhaltungskultur.

Stilsicher arbeitet er, Hinrich Horstkotte, noch gar nicht so alt, der Theatermann aus Berlin, der jetzt der Wiener „Madame Pompadour“ mit altmeisterlicher Präzisionarbeit in Personalunion als Regisseur, Bühnenbildner wie als Kostümdesigner einen Zuckerguss verpasst hat. Überkandiert. In den buntesten Farben, voll grell bis pastell. Vollgepfropft mit unzähligen Details. Stets um Akzentuierung bemüht. Und als üppige Dekorationen überragen mal das Konterfei der Mätresse, mal die Beine, mal ihr Busen das sich ständig im Fluss befindliche Getändel. Moment! So ganz im Fluss geht´s auch wieder nicht dahin. Da hat die Präzisionsarbeit doch ein bisschen versagt. Nämlich den einen oder anderen Feinschliff wieder zu verwerfen und ganz einfach auf mehrere Episoden zu verzichten. Kurzum: so manch überflüssiges Geplauder und Geplapper und einige repetierte Gags lassen den großen Bogen gelegentlich zerbröseln. Die ausgedehnten Dialoge, Anspielungen, Späßchen aus den 20er Jahren – lang, lang ist´s her – kommen doch nicht mehr so treffsicher an. Könnte durchaus sein: Im Repertoire geht es bald mit der Pompadour in einer vorteilhaft gestrafften Fassung weiter.

Sonst viel Lob. Für das Spiel, die Pantomime, den Einsatz des ganzen großen Aufgebotes auf der Bühne. Stimmlich geht es vielleicht doch eher in Richtung leicht blässlich, doch studiert ist´s jedenfalls schon gut. Und mit ANNETTE DASCH führt eine urwüchsige Rampens..  – pardon, echte Souveränin – das skurrile höfische und faschingstolle Treiben an. Mit im kapriziösen Reigen um Seitensprünge und Intrigen: MIRKO ROSCHKOWSKI als stattlicher Graf René, ebenfalls auf Suche nach Abenteuern; BEATE RITTER, die putzige Kammerfrau der Marquise; GERHARD ERNST als der polternde und dämlich-überheblich agierende Polizeiminister Maurepas; BORIS PFEIFER als in seinen Suaden ertrinkender Poet Calicot. Und, noch ein echter Souverän: HEINZ ZEDNIK als König, so ganz und gar operettig, so wie es sein muss. Insgesamt eine gustiöse, buntscheckige Maskerade mit Niveau. Nur eine Spur zu sehr ausgewälzt.

Meinhard Rüdenauer

 

 

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