Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Volksoper: LA TRAVIATA mit „Verdi-Animo“

26.11.2014 | Oper

Wien

Volksoper

LA TRAVIATA MIT VERDI-ANIMO (25.11.2014)

Herbstzeit ist Grippezeit. Und die Liste der   „Entschuldigungen”  war diesmal besonders lang. Beinahe hätte der „Einspringer“ des Abends, der österreichische  Tenor Thomas  Paul (für Junho You)  auch noch  das Handtuch geworfen. Dennoch erlebte man – nehmt alles nur in allem – eine packende Vorstellung von „La Traviata“ – mit viel Verdi-Animo.

Am Pult dieser Hans Gratzer-Commedia del arte –Inszenierung (Ausstattung ebenfalls Hans Gratzer) sorgte der Brite Alexander Joel für die  nötige emotionale Dichte und ein wahrlich internationales Ensemble ließ sich geschickt durch die Gefährdungen der diversen Stimmband-Schwellungen leiten. Die deutsche Sopranistin Anja Nina Bahrmann hat alles, was man für die Traviata braucht: die Koloraturen des 1.Aktes (samt hinauf gesungenem Spitzenton), die lyrische Dramatik des 2. und 3. Aktes sowie die trügerische Hoffnung des Finales. Wenn etwas fehlt, dann die melancholische „Morbidezza“, das „Geheimnis“ der Edel-Kurtisane, die den Argumenten des Vater Germont so rasch „aufsitzt“. Dieser Giorgio Germont war mit  dem aus Usbekistan stammenden Alik Abdukayumov übrigens  hervorragend besetzt. Er ist fast zu jung für diese Vaterrolle, aber sein prächtiger Verdi-Bariton kommt im großen Duett mit Violetta voll zur Geltung. Und er provoziert mit seiner Arie echte, große  Begeisterung. Dabei hatte auch er sich  ansagen lassen. Und im Vergleich zu einem konzertanten Macbeth im Merker-Kulturverein vor wenigen Wochen schien er sich diesmal  wirklich zurückzuhalten. Bleibt der „Retter des Abends“ , der Tenor Thomas Paul zu erwähnen. Er ist ein fescher „latin lover“ mit dunkler Mittelage und gutem Vortrag. Spätestens ab dem 3.Akt schien auch die Nervosität bewältigt.

Von den vielen Chargen muss man unbedingt  Michael Havlicek als  sympathischen d’Obigny und Yasushi Hirano als stimmschönen Dottere Grenville erwähnen. Der Sieger hieß einmal mehr Giuseppe Verdi.

Peter Dusek

 

Diese Seite drucken