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WIEN/ Volksoper: LA CENERENTOLA

27.02.2012 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Volksoper am 26.2.: „LA CENERENTOLA“


David Alegret

Es war ein bezaubernder Opernabend, und es stimmte einfach alles, die Musik, der Gesang, das Bühnenbild, die Choreographie und die Kostüme. Alles in allem: eine große Ensembleleistung. Der Gedanke daran, dass eine Inszenierung von so hohem Niveau  in der Versenkung verschwinden -und durch eine neue im „Haus am Ring“ ersetzt werden soll- schmerzt. Auf die Frage: „Warum will man sich dieser exquisiten Inszenierung entledigen?“ fällt mir keine brauchbare Antwort ein. 

Unter dem Dirigat von Enrico Dovico, der diese Oper besonders liebt (wie er persönlich verlauten ließ), erfüllte das Volksopernorchester das Haus mit Rossini’s Musik.

 David Alegret ist der Idealfall eines Prinzen, groß, schlank und dunkel, gesegnet mit einem facettenreichen lyrischen Tenor und dem nötigen Humor zur Darstellung dieser Rolle, überzeugt er als ein echter Märchenprinz. Auch als verliebter, verkleideter Diener kann er seinen Emotionen stimmlich schön Ausdruck verleihen.

 Lysianne Tremblay, die Cenerentola, verschmähte und ausgenützte Stieftochter des Don Magnifico mit großen Hoffnungen, überzeugt mit Stimme –ein schöner Mezzo-  und Gestik von ihrem bedauernswerten Dasein. Märchenhaft  ist ihr Aufstieg, stimmlich groß ist sie im Schlußakt, physisch auf’s Podest gehoben und groß im Verzeihen ihrer witzig miserablen Verwandschaft.

 Elisabeth Schwarz als Clorinda und Tina Hörhold als Tisbe sind auf unerhört komische Art einfach böse. Elisabeth Schwarz und Tina Hörhold bringen die Dummheit und Eitelkeit der beiden Schwestern, jede für sich und beide brilliant, stimmlich voll zur Geltung.

 Noé Colin, Don Magnifico, Genießer viel zu vieler guter Weine und von enormer baritonaler Sprachbegabung, will nur zwei Dinge: Viel Wein, und die gewinnbringende Vermählung seiner Töchter; na ja,  wenigstens einer. Diese Ziele verfolgt er mit großem stimmlichen Aufwand. Klaus Kuttler, agiert als Kammerdiener des Prinzen und sein Stellvertreter in heiklen Lebenslagen, zum Beispiel der Brautschau. Er ist wunderbar eitel und kann Clorinda und Tisbe mit schönem Bariton beeindrucken, vorübergehend zumindest. Stefan Cerny als Alidoro, Erzieher Don Ramiros, und im positiven Sinn Drahtzieher im bunten Geschehen, meistert seinen Part mit elegant geführtem Bass und philosophischer Weisheit.

 Das Publikum war begeistert, der Applaus im fast ausverkauftem Haus am Gürtel war lang andauernd. Kein Wunder, die Inszenierung von Achim Freyer hat nichts an Witz und Situationskomik verloren, Kostüme und Bühnenbild von Maria-Elena Amos unterstreichen die Eigenarten der Akteure/Akteurinnen auf’s Beste. Die Standbilder sind überraschend und komisch. Der Hit ist das galoppierende und singende Endlospferd. Der Chor unter der Leitung von Thomas Böttcher ist viel in Bewegung und bringt eine tolle Leistung.

 Und außerdem DIE OPER LEBT

 Charlotte Pohl

 

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