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WIEN/ Volksoper: IL TROVATORE

20.06.2014 | KRITIKEN, Oper

WIENER VOLKSOPER: 19. 6. 2014 –  „IL TROVATORE“

 Wiederaufnahme nach der Premierenserie. Und wieder war es Chariklia Mavropoulou als Azucena, die die beste Leistung brachte. Stimmlich einfach enorm, die Stimme wird von einem Mal zum anderen immer größer. Die tiefe wird immer breiter, ohne dass die Höhe darunter leidet und somit sang sie alle drei geschriebenen „C“s. Darstellerisch ist sie eine Azucena voll Rachedurst,  aber auch voll Verzweiflung um das Schicksal von Manrico – und das alles sehr glaubwürdig.

Dieser Abend gehörte eindeutig den Zigeunern. In der Rolle des Manrico gab es das Rollendebüt von Vincent Schirrmacher, der nach seinem großartigen Kalaf natürlich sehr neugierig machte. Und es ging gut –  trotz etwas Startnervosität. Dazu noch diese „durchdachte Regie“, die es ihm keine Sekunde leichter machte. Aber schon während des Duetts mit Azucena fand er wieder die Sicherheit, die man von ihm gewohnt ist und sang natürlich Arie und Stretta ganz hervorragend. Das eine normalere Regie für einen Debütanten angenehmer ist, ist wohl keine Frage, weil auch so manche Aufstellung der Sänger akustisch besser ist. Die dritte im Bunde war Melba Ramos als bereits bewährte Leonora. Auch sie hat beide Arien, besonders die zweite in nicht angenehmer Position zu singen, dann auch gleich das Miserere in dümmster Aufstellung mit Manrico –  das große Duett mit Luna ist der Gipfelpunkt an Unsinn. Da ging das Regiekonzept (so es eines ist) in keiner Weise auf. Umso mehr sind da die großen Pianobögen zu bewundern, die die Künstlerin im feinsten Verdi-Klang sang.

Auch Luna war  ein Debütant. Mathias Hausmann ist ein Bariton mit sehr trockenem Timbre und wenig Schmelz in der Stimme. hat so gar keine Italianita und kein bisschen Verdi-Glanz in der Stimme. Er sang seinen Part brav,  aber ohne viel stimmlicher Anteilnahme zu Ende, zeigte in der Arie ein paar sichere Höhen, das reicht aber nicht so wirklich für Manricos großen Bruder. Der Schwachpunkt ist der Ferrando von Petar Naydenov. Diese Stimme ist total klanglos und bröselig. Falls er krank gewesen sein sollte, dann hätte man ihn dringenst entschuldigen müssen. Christian Drescher war Ruiz und erstmals Manuela Leonhartsberger als Ines.

Enttäuschen für mich war Alfred Eschwé am Pult. Er ist ein Kapellmeister,  den ich an sich sehr schätze, aber  leitete stimmungslos und sehr langatmig, teilweise laut aber spannungslos den Abend. Der Chor sang wirklich sehr gut, Thomas Böttcher kann sich freuen über sein Team. Ob die Inszenierung den Herrschaften Spaß macht? Ich habe nicht den Eindruck.

Die Kostüme von Renate Schmitzer werden auch nach öfteren Besuchen nicht schöner, ich werde nie verstehen, das eine Frau andere Frauen bewusst so unvorteilhaft kleidet. Das Bühnenbild von Dieter Richter ist nicht besonders schön anzusehen, aber sehr praktisch gebaut und somit funktionieren alle „Umbauten“, die ja nur Drehungen sind, ganz rasch und gut. Warum die Rittergeschichte im spanischen Bürgerkrieg spielen muss. ergibt keinen Sinn. Da waren alle Autoren schon lange tot und hätten das auch sicher nicht gewünscht. 

Am Ende großer Jubel, speziell für die Zigeuner, allen voran für Azucena .

Es gibt noch drei Auführungen, die sind schlecht verkauft. Hingehen, es lohnt sich.

Elena Habermann  

 

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