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WIEN/ Volksoper: FRAU LUNA. Premiere

09.06.2013 | KRITIKEN, Oper

WIEN/ Volksoper: FRAU LUNA. Premiere am 8. Juni 2013


Eine flotte Revue. Dem Regisseur ist nichts vorzuwerfen. Fotocopyright: Barbara Pálffy/Volksoper

Leichte Kost bot die Wiener Volksoper ihrem Publikum bei der letzten Premiere der Saison 2012/13. Vielleicht ein wenig zu leicht, denn Paul Linckes Operette Frau Luna ist nicht gerade ein begnadeter Geniestreich, das erkannte auch schon Lincke selbst, denn die Fassung der Uraufführung des Jahres 1899 wurde einige Male umgearbeitet und um weitere Nummern des Berliners erweitert (so etwa auch um das populäre „Das ist die Berliner Luft“). Die Fassung für Wien (wo das Stück das erste Mal in Szene ging) stammt aus der Feder von Peter Lund, der gleichzeitig auch für die Regie dieses Abends sorgte. Wesentlich griffiger wurde das Libretto durch diese Bearbeitung aber auch nicht. Die Geschichte des Berliner Mechanikers Fritz Steppke, der einen Mondomat konstruiert hatte, um mit seinen beiden Freunden zum Mond zu fliegen, mag zu seiner Entstehungszeit witzig gewesen sein, heute wirkt der Handlungsstrang – trotz aktueller Anspielungen – recht antiquiert und schwerfällig, kein Vergleich mit den Meisterwerken der goldenen und silbernen Operettenära aus dem österreichischen Raum. Wesentlich mehr wäre außerdem herauszuholen gewesen, wenn das Wiener Lokalkolorit, das man den Mondbürgern – im Gegensatz zu den Berlinern der Erde – verpasste, deutlicher zu spüren gewesen wäre.

Aber inszenierungsmäßig setzte Lund die Operette wirklich geschickt um und bot ein Revuetheater mit sehr opulenten Bildern. Diesmal kamen also die Augen mehr auf ihre Kosten als die Ohren, speziell in den Massenszenen und im Finale I herrschte Riesenstimmung auf der Bühne. Großen Anteil daran hatte aber neben dem Regisseur auch noch Sam Madwar, der für das Bühnenbild und die Projektionen verantwortlich zeichnete. Geschickt wechselte er zwischen Erde und Mond, setzte die Technik des Hauses perfekt ein und schuf ein Ambiente der Berliner Revueszene der 1920iger Jahre. Der Sternenhimmel, die Luftaufnahmen, hier passte alles super zusammen. Und endlich sah man auch wieder wunderschöne Kostüme auf der Bühne, verantwortet von Daria Kornysheva. Auch hier stimmte alles bis ins kleinste Detail, bis hin zu den „Goldenen Sternzeichen“ des Balletts, choreographiert von Andrea Heil.

Weniger erfreulich gelang allerdings die musikalische Umsetzung, wobei Gerrit Prießnitz am Pult des Volksopernorchesters die geringste Schuld trifft. Eher sollte das Besetzungsbüro darüber nachdenken, ob man Julia Koci mit der Rolle der Frau Luna wirklich einen Gefallen erwies, denn der sonst so verlässlichen Sängerin fehlte einfach die nötige divahafte Ausstrahlung für die Rolle der Mondkönigin. Auch das übrige Ensemble ging zwar bemüht ans Werk, die völlig unnötige Verwendung von Mikroports lässt aber keine wirkliche Beurteilung der Stimmen zu. Unnötig schon deshalb, weil die Dialoge in Berliner und sächsischem Dialekt trotz Einsatzes dieser technischen Hilfsmittel – zumindest auf der Galerie – kaum verständlich waren.

So kann nur über einen die Fäden ziehenden Theophil von Boris Eder berichtet werden, dessen Bühnenpräsenz in jeder Sekunde stimmte, auch Isabel Weicken fand mit der Rolle von Frau Pusebach eine lohnende Aufgabe vor, die sie mit Routine bewältigte, wenig Charisma verspürte man bei Daniel Prohaska als technikverliebter Fritz Steppke.

Thomas Paul als ein blasser Prinz Sternschnuppe sollte wohl als Karikatur eines Operettentenors wirken, Regula Rosin machte als ulkige Stella gute Figur, Johanna Arrouas gab eine rollendeckende Marie. Von den übrigen Protagonisten ist Andreas Daum als August Lämmermeier eine Erwähnung wert.


Daniel Prohaska und Martina Dorak. Fotocopyright: Barbara Pálffy/Volksoper

Der Premierenbeifall war groß, wobei aber auffiel, dass der meiste Jubel dem Inszenierungsteam galt – nicht alltäglich bei hiesigen Premieren. Beim Volksopernpublikum wird diese Produktion sicherlich gut ankommen, dem kritischeren Geist stellt sich doch die Frage, ob andere Werke aus dem Genre Operette nicht doch Priorität gehabt hätten. Sei’s drum, gehen sie einfach hin, egal ob als Volksopernkenner oder als „preussischer“ Gast, 2 ½ Stunden leichte Kost sind garantiert!

Ernst Kopica

 

 

 

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