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WIEN/ Volksoper: FRAU LUNA oder die Wiederbelebung der Operette. Premiere

09.06.2013 | KRITIKEN, Oper

Volksoper – Premiere FRAU LUNA – oder die Wiederbelebung der Operette- Premiere am 8.6.2013

(Heinrich Schramm-Schiessl)


Julia Koci, Daniel Prohaska. Foto: Barbara Palffy/Volksoper

 Auch wenn ich lange zurückdenke kann ich mich nicht an eine Premiere erinnern, bei der das Regieteam unwidersprochen den meisten Applaus des Abends erhalten hat und Peter Lund und sein Team hatten es sich verdient, denn sie haben das Werk als das ernst genommen, was es ist, nämlich als schwungvolles Unterhaltungstheater. Dies bedeutet, dass die Inszenierung humorvoll war ohne sie zu verblödeln und dass er auf alle Elemente zeitaktuellen Theaters, wie Überstülpen einer meist unsinnigen Rahmenhandlung, Brechung, intelektuelle Hinterfragung oder Herstellung aktueller politischer Bezüge, verzichtet hat.

 Natürlich, die Handlung ist fast 44 Jahre nach der ersten Mondlandung und nach Star-Treck und anderen Sciencefiction-Filmen naiv, aber durch Paul Linckes Musik voller Ohrwürmer und Evergreens (u.a. „Schenk mir doch ein bisschen Liebe“, „O Theobald“, „Glühwürmchen“ und natürlich die „Berliner Luft“), wobei er auch Anleihen aus anderen Stücken genommen hat, ist es ein durchaus attraktives Stück mit dankbaren Rollen und es verwundert eigentlich, daß es aus den Spielplänen weitgehend verschwunden ist.

 Dazu schuf Sam Madwar athmosphärische Bühnenbilder – besonders stimmungsvoll das Parkbild mit der Siegessäule und dem Brandenburger Tor im Hintergrund – und Daria Kornyshewa zeitadequate Kostüme. Die Choreographie von Andrea Heil war schwungvoll.

 Musikalisch war die Auffüjrung solide. Das Volksopernorchester zeigte sich unter Gerrit Prießnitz’ umsichtiger Leitung von seiner besseren Seite – d.h. es klang nicht so knallig wie manchmal sonst – und trug ebenso viel zum Gelingen des Abend bei wie der Chor.

 Von den Solisten wäre an erster Stelle das „Senioren“-Buffotrio Boris Eder als Theobald, Isabel Weicken als Frau Pusebach und Regula Rosin als Stella zu nennen. Sie sorgten für die meisten Lacher des Abends und waren auch stimmlich präsent. Julia Koci war eine gut aussehende und ordentlich singende Frau Luna, die aber einige Höhen ausließ. Thomas Paul war ein guter Prinz Sternschnuppe, wobei die Stimme in der Höhe allerdings etwas eng wird. Johanna Arrouas sang berührend die Marie und Daniel Prohaska, Andreas Daum und Carlo Hartmann waren typengerecht als die Berliner Steppke, Lämmermeier und Pannecke.

In kleineren Rollen konnten Martina Dorak (Venus), Heinz Fitzka (Mars), Franz Waechter (Mondgroom) und Ronnie Verò Wagner als Berliner Schutzmann gefallen.

 Am Ende viel Applaus für alle Beteiligten und das Gefühl, dass man eine der besten Volksopernproduktionen seit langem gesehen hat.

 

 

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