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WIEN/ Volksoper: FRAU LUNA – erobert die Wiener Volksoper. Premiere

09.06.2013 | KRITIKEN, Oper

FRAU LUNA EROBERT DIE WIENER VOLKSOPER –GROSSER ERFOLG FÜR PAUL LINCKE (8. Juni 2013)


Boris Eder, Julia Koci. Foto: Barbara Palffy/ Volksoper

Zuletzt Jubel, Trubel, Heiterkeit – die Wiener Volksoper kann wieder einmal auf einen veritablen Operetten-Erfolg verweisen. Die „Berliner Luft“ hat sich nun auch in Wien durchgesetzt – mit einem Werk, das bis gestern noch nie am Währinger Gürtel gegeben wurde.

Frau Luna – das Hauptwerk von Paul Lincke- begeisterte nicht nur musikalisch. Das Regieteam mit Peter Lund an der Spitze (Bühne Sam Madwar, Kostüme Daria Kornysheva, Choreographie Andrea Heil) wurde zuletzt gefeiert wie die Sänger und der junge Dirigent Gerrit Prießnitz. 100prozentige Zustimmung für die Inszenierung eines Stückes, das schon 1899 (als Kurzversion) uraufgeführt wurde. Die Volksoper kann stolz auf diese Produktion sein, in der die Luftschlösser dreier „Berliner Typen“ zu Leben erweckt werden.

Im Mittelpunkt steht der arbeitslose Mechaniker Fritz Steppke und seine schwangere Verlobte Marie: Daniel Prohaska und Johanna Arrouas sind ein Glücksfall für den sympathischen Tagträumer und seine schüchterne Freundin. Er – ein gradliniger „Kumpel“ mit schönem Tenor, sie – ein zierliches „Reh“ mit einer Stimme, die den Zuseher wirklich berührt. Dazu kommen die zwei schrulligen Freunde von Steppke –August Lämmergeier und Wilhelm Pannecke. Sie werden von Andreas Daum und Carlo Hartmann sehr glaubhaft und authentisch dargestellt. Dazu kommt noch die resche Vermieterin Frau Pusebach. Isabel Weicken versteht es, aus der Nebenrolle eine Hauptrolle zu gestalten. Und der Applaus bestätigt dies – Persönlichkeit ist bei Operette ebenso gefragt wie Stimme. Und über beides verfügt Isabel Weicken. Großartig.

Aber da gibt es ja auch noch das Mond-Personal. Hier setzt man auf junge Stimmen. Für mich war die Entdeckung des Abends der junge österreichische Tenor Thomas Paul, der als Prinz Sternschuppe angesetzt war. Dunkle Mittellage, großes Stimmvolumen und prächtige Höhen –Operettenherz was willst du mehr. Neben dem jungen Mann, der bei den Florianer Sängerknaben begann, überzeugen aber noch weiter „rising stars“: die gebürtige Wienerin Julia Koci ist eine hinreißende Frau Luna, Boris Eder ein köstlich skurriler Theophil, Martina Dorak eine verführerische Venus und Regula Rosin eine adäquate Stella. Heinz Fitzka donnert als Mars und Franz Waechter taucht kurz als „Mondgroom“auf. Alles in allem – Frau Luna wird sich meines Erachtens im Wiener Operetten-Repertoire auf Dauer halten.

Der Dirigent des Abends, der junge Gerrit Prießnitz, könnte noch an Drive beim Volksopern- Chor- und -Orchester zulegen (was er im 2.Teil schon erreicht). Und das Regieteam unter Peter Lund wird hoffentlich bald wiederkommen. Humor, Ironie und neue Show-Medien und dazu eine gute Bearbeitung – darauf warten nicht nur die Werke von Paul Lincke.

Peter Dusek

 

 

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