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WIEN/ Volksoper: DON GIOVANNI. Premiere

15.11.2015 | Oper

Wiener Volksoper- 14.11.2015   VO   „Don Giovanni“/Premiere

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Josef Wagner, Andreas Mitschke. Foto: Barbara Palffy/ Wiener Volksoper

Alle paar Jahre gelingt der Volksoper etwas besonders Originelles: Nach der gelungenen Produktion der „Turandot“ hat sich Direktor Meyer den vielseitigen Künstler Achim Freyer an sein Haus geholt, um einen neuen „Giovanni zu produzieren. Das war kein großes Wagnis, hat doch Freyer schon seit Jahren interessante und erfolgreiche Regiekonzepte an prominenten Häusern umgesetzt. An der Volksoper erlebt der Besucher eine wohldurchdachte, stimmige Produktion, die das Werk wohl ernst nimmt, aber doch jede Figur durch intelligente Pointen auf die Schaufel nimmt. Da gibt es nie den Bruch Gut – Böse, da hat jeder einiges davon zu bieten. Diese Ambivalenz wird auch durch bunte Kostüme deutlich gemacht, alle sind irgendwie clowesk anzusehen, jederzeit austauschbar (nicht nur Giovanni und Leporello). Das sparsame Bühnenbild wirkt gerade dadurch, dass man nicht durch allerlei Möblage und diverse Versatzstücke abgelenkt wird, der weiße mit bunten Linien versehene Bühnenboden, einige Randelemente und  ein sich gelegentlich drehender, langer Tisch reichen aus, um das Geschehen ausreichend zu illustrieren. Vielleicht hätte es nicht des ständig Gegenstände heraus- oder hineintragenden Bühnenpersonals bedurft, dessen Tätigkeit nicht ganz schlüssig schien. Aber der Gesamteindruck war großartig.

Der Schlussgag, alle (überlebende) Darsteller mit Würstchen zu speisen, wurde wohl nicht einhellig vom Publikum gutgeheißen, wie man am anschließenden Chor einiger Buhrufer feststellen musste. Musikalisch wurde viel Positives geboten, begonnen vom sehr sauber spielenden Orchester unter dem intensiv um Mozartklang bemühten Dirigenten Jac van Steen, bis zu einem überwiegend guten Sängerensemble. An der Spitze ist der Tenor Jörg Schneider zu nennen, der einen Don Ottavio sang, wie man ihn sich wünscht, sehr lyrisch, höhensicher und mit einem wunderbaren Timbre ausgestattet. Auch darstellerisch war er anders als gewohnt, sehr positiv präsent, und nicht das übliche fünfte Rad am Wagen. Ihm am nächsten kam Mischa Schelomianski als Leporello, der mit seinem kernigen Bariton mitunter besser zur Geltung kam als der Titelheld. Dieser wurde von Josef Wagner mit nicht allzuviel Temperament gespielt, der Frauenheld war er wohl nicht. Vokal steigerte er sich bis zum Finale aber doch einigermaßen. Dem Komtur, hier von Andreas Mitschke verkörpert, wünschte man sich mit etwas profunderen Tiefe, um die abschreckende Wirkung zu erzielen, die man dieser Rolle eben zuschreibt. Auch Ben Connor als Masetto ließ nicht unbedingt aufhorchen, er bewies zwar einiges an Spielfreude, sein Bass war aber mitunter zu schwach an Volumen. Bei den Damen wäre Kristiane Kaiser als Donna Anna an erster Stelle zu nennen, sie hatte ausreichend, vielleicht sogar zu viel an Kraft zu bieten, was dann zu Lasten des Wohlklanges ging. Auch Esther Lee als Donna Elvira konnte nicht restlos überzeugen, häufiges Forcieren und Schwächen im lyrischen Bereich trübten den Eindruck. Anita Götz sang die Zerlina mit allzu zartem Sopran. Das quirlige Persönchen spielte großartig, etwas mehr Volumen in der Stimme hätte nicht geschadet.

Viel Applaus für alle Beteiligten, schade, dass man den Regisseur mit Undank belohnte.       

Johannes Marksteiner

 

 

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