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WIEN/ Volksoper: DIE VERKAUFTE BRAUT. Am großen Erfolg vorbeigeschrammt. Premiere

18.02.2013 | Allgemein, KRITIKEN, Oper

SMETANA’S „VERKAUFTE BRAUT“: AM GROSSEN ERFOLG VORBEIGESCHRAMMT (17.2.2013)


Mathias Klink, Caroline Melzer. Foto: Barbara Zeininger

So rasch kann’s im Opernbetrieb gehen. Im ersten Drittel der Neuproduktion von Smetanas „Verkaufter Braut“ liegt noch ein großer Erfolg der Volksoper in der Luft. Eine etwas sperrige Inszenierung von Helmut Baumann mit expressiven Bühnenbildern von Mathias Fischer-Dieskau und herben Kostümen von Ingrid Erb werden von einer ausgezeichneten musikalischen Besetzung unter der soliden Leitung von Enrico Dovico getragen. Doch dann beginnt die Stimme des Tenors zu kippen, nach der Pause erfährt man durch Direktor Meyer den Grund – doch das Gesamt-Resultat blieb dennoch „durchmischt“.

Der Sänger des Hans, der deutsche Tenor Mathias Klink, sang die anspruchsvolle Hauptrolle bei den Schlussproben auch für seine Zweitbesetzung, die an Grippe erkrankt war. Und vier Mal Hans in drei Tagen – das überfordert jeden. Sieht man von den verpatzten paar Spitzentönen ab, ist Mathias Klink ein idealer Hans – ein in die Jahre gekommener Rebell, der einst auszog, um die Welt neu bauen. Und nun eine ideale Partnerin zu finden versucht. Und Caroline Melzer könnte dies sein. Eine moderne, selbstbewusste Frau – die Stimme ist für die Marie fast zu lyrisch, die melancholische Poesie geht unter die Haut – jedoch Caroline Melzer kann auch attackieren. Die „Verkaufte Braut“, die von Wien aus ihren Siegeszug antrat, wird in der Volksoper in Deutsch gespielt (mit den in Wien seit Jahrzehnten gebräuchlichen Homolka-Texten) erzählt eigentlich eine böse Geschichte – jeder verkauft jeden,  und die Enge des Dorfes – hier durch eine dominante, bedrohliche Scheune angedeutet –tut ein übriges. Verkörpert wird dieser Opportunismus durch Martin Winkler – sein hinreissender Kezal erinnert an eine Figur von Deix. Und mit den tiefen Tönen kommt der Bass-Bariton Winkler erstaunlich gut zurecht.

Ausgezeichnet auch die Chöre (Leitung Thomas Böttcher), etwas zu penetrant das Ballet (Choreographie Bohdana Szivacz). Letzlich zu bieder der Dirigent des Abends,  Enrico Dovico.

Zu nett und harmlos auch der Wenzel des Jeffrey Treganza, zum Teil eine Luxbesetzung bei den Eltern. Michael Kraus als Kruschina und Alexandra Kloose als Hata; gelungen das Hausdebüt von Andreas Mitschke als Micha, zu jung der Zirkusdirektor von Boris Eder.

Alles in allem – ein Versprechen auf eine Reprise ohne Grippeteufel. Und immerhin; am Ende keine Buhs – ein großer Erfolg schaut allerdings anders aus.

Peter Dusek

 

 

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