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WIEN/ Volksoper. DIE RÄUBER – Premiere

15.10.2017 | Oper

WIEN/ Volksoper- „DIE RÄUBER“. Premiere am 14.10. 2017

Bildergebnis für Volksoper die räuber

Vincent Schirrmacher. Copyright: Barbara Palffy

 

Sinnvollerweise hat sich die Volksoper diesmal entschlossen, einen Verdi anzusetzen, mit dem sie nicht in unmittelbare Konkurrenz zu anderen Wiener Häusern tritt. Außerdem wird damit ein Werk präsentiert, das seit fast 50 Jahren nicht mehr in Wien zu sehen war und das sich seine Wiedererweckung durchaus verdient hat.

Der Regisseur Alexander Schulin ließ sich dafür von Bettina Meyer eine Art Einheitsbühnenbild bauen, das im Wesentlichen aus einem drehbaren schwarzen Kubus wie der Kaaba in Mekka besteht. Eine geöffnete Wand ermöglicht dabei den Blick in einen Innenraum. Schon während der Vorspiels kann man dieses Bild zum ersten Mal bewundern. Es wird aber nicht eine Vorgeschichte zur Oper dargestellt, sondern der Cellist Roland Lindenthal darf das große Solo im Preludio auf der Bühne, flankiert von drei Kindern spielen. So wird er verdientermaßen aus der Anonymität des Orchestergrabens befreit und darf sich über seinen Applaus freuen. Ein praktisches (und für nahezu jede Oper einsetzbares) Bühnenbild, das nur durch die Szene im Räuberquartier mit unzähligen herabhängenden Leuchtstoffröhren einmal wesentlich (und nicht zum Besseren) verändert wird. Für die Kostüme, die viel mehr Bezug zum Werk haben als das Bühnenbild zeichnet Bettina Walter verantwortlich. Warum jedes Mal beim Aufgehen des Vorhanges auch die Sänger schon auf der Bühne stehen, die erst im Laufe des Bildes auftreten werden und dann, als wären sie überrascht worden schnell hinter dem Kubus verschwinden, erschließt sich mir nicht. Aber vielleicht fällt das unter Personenführung, die sonst nur in Spurenelementen vorhanden ist.

Wenig überraschend geben alle Sänger ihr Rollendebuts an der Volksoper, aber die Amalia, Sofia Soloviy tritt überhaupt erstmals an diesem Haus auf. Zu Beginn war noch etwas Nervosität zu spüren und da gerieten manche Höhen etwas scharf, aber im Verlauf des Abends wurde sie zunehmend sicherer und ließ einen schönen lyrischen Sopran und gute Koloraturen hören. Dass es merkwürdig aussieht, wie sie mit ihrem Rock müht, den halben Meter auf die Spielfläche im Kubus zu erklimmen, ist nicht ihr vorzuwerfen. Und dass sie in der großen Szene mit Franz im zweiten Akt mit ihrem Messer an ihm herumstochert wie ein Kind im ungeliebten Essen wohl auch nicht. Dieser intrigante Franz, das Missing Link zwischen Richard III und Jago, bleibt bei Boaz Daniel merkwürdig blass. Weder stimmlich, noch darstellerisch geht da ein Hauch von Dämonie von ihm aus und auch die Traumerzählung geht nicht wirklich unter die Haut. Kurt Rydl, der dieser Tage seinen 70er feierte, beweist, dass der „Mega-Bass“ noch immer ein enormes Volumen besitzt. Leider ist das Vibrato aber ebenso enorm und das ist der Gesangslinie nicht sehr zuträglich. Die Rolle des Maximillian wird in dieser Produktion noch um den Pastor Moser erweitert und so kann eine Abendgage gespart werden. Der „gute“ Bruder Karl ist Vincent Schirrmacher, der nicht nur mit Höhen auftrumpfen kann, sondern sich sehr um dynamische Schattierungen bemüht. Da Verdi im Gegensatz zu Schiller dem Räuber nicht noch eine abschließende humanitäre Geste (Dem Manne kann geholfen werden) gönnt, verabschiedet er sich mit einem Des Richtung Schaffott. Als Hermann ist David Sitka mit greller Stimme an der Intrige beteiligt, während Christian Drescher mit starkem Tenor seine Rettung kommentiert.

Der von Holger Kristen einstudierte Chor singt fröhliche Mörderlieder, die noch von einer sehr ironischen Choreographie begleitet werden. Zusätzlich zum Singen produziert er auch ziemlich viel Geräusch, wenn er aus dem Kubus auf den Bühnenboden springen muss.

Jac van Steen bemüht sich erfolgreich, Verdi vom Umtata-Klischee zu befreien und das Orchester geht auf diese Intention ein.

Auch wenn diese Oper nicht sehr populär ist, so enthält sie doch viele schöne Melodien und so manche Cabaletta klingt sehr vertraut. Warum aber ein paar Leute bei der ersten Cabaletta des Carlo auf den Trugschluss schon applaudieren ist nicht verständlich.

Wolfgang Habermann    

 

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