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Wien/ Volksoper: DER MANTEL/ GIANNI SCHICCHI

24.03.2013 | KRITIKEN, Oper

Wiener Volksoper: „DER MANTEL“ & „GIANNI SCHICCHI“ am 23.3.2013

 Fürs erste ist ein Bravo an das Orchester, das unter der großartigen Stabführung von Roberto Paternostro erstklassig diese beiden Stücke musizierte, auszusprechen.

Nun zum „Mantel“: Olafur Sigurdarson sang einen sehr menschlich leidenden Michele, der blind vor Eifersucht einen Mord begeht. Oder will er den Mann nur verletzen und hat einfach zuviel Kraft, von der gesanglichen Gestaltung her wäre das glaubhaft. Maida Hundeling, seine Ehefrau Giorgetta, ist eine ebenso verletzte Person . Sie haben ihr gemeinsames Kind verloren (warum, weiß man nicht) und werden mit diesem Verlust nicht fertig. Sie singt alles, was Puccini in diese Rolle gelegt hat und kann voll überzeugen. Der fesche Luigi macht sich voll an sie ran und gewinnt ein wenig an Boden bei der „Frau des Kahns“ – letztlich bezahlt er das mit dem Leben. Gesungen wurde er von Mehrzad Montazeri, der sich wegen grippöser Schwäche entschuldigen ließ – und trotzdem wacker durchhielt. Nur in extremen Fortestellen merkte man seine leichte Beeinträchtigung. Adrineh Simonian war erstmalsl die Hamsterin/Frugola und konnte mit schöner Stimme in der kleinen Rolle positiv auffallen. Ebenso erstmals dabei war ihr Ehemann, der „Maulwurf, dessen angenehme Stimme gehört Petar Naydenov. Der „Liedverkäufer“ war David Sitka, er hat die angenehme Musik in Originalsprache zum „Boheme-Motiv“ zu singen und setzte dieses leider komplett in den Sand. Für das Liebespaar Özlem Bulut und Martin Dablander sowie für Christian Drescher gibt es ein pauschales Lob.

 Nach der Pause, bei  „Gianni Schicchi“, versuchte es Michael Kraus in der Titelrolle mit Charme und viel Witz, stimmlich war er bemüht, mehr leider nicht. Dass diese Figur Puccinis „Falstaff“ ist, kommt nie rüber. Sehr berührend singt Rebecca Nelsen die Lauretta. Rinuccio war JunHo You mit sehr „weißer Stimme“ und perfekter Technik. Dennoch ging seine Arie unter, und das lag nicht an ihm, sondern an der schlechten Übersetzung. „Avvete torto….“ ist musikalisch eine Ansage, doch da begann etwas in Deutsch und endete ebenso – ohne Effekt,  weil die letzten Worte eben nicht „Gianni Schicchi“ sind. An diesem Beispiel  merkt man, wie die Musik in der Sprache aufgebaut wird und vieles durch klanglose Übersetzungen untergeht, speziell bei den Veristen. Allgemeines Lob für alle weiteren Verwandten des Buoso Donati.

Gianni Schicchi lebte tatsächlich in Florenz und dürfte ein gerissenes Schlitzohr gewesen sein, somit traf ihn Dante wohl in der Hölle.

Bei beiden Opern wäre die Originalsprache mehr als erwünscht, weil diese sehr zum Allgemein-Klang beiträgt und das musikalische Bild richtig abrundet.

Der Besuch war mehr als schlecht, gähnende Leere auf den Rängen, in den Logen und im hinteren Parkett, schade-, die Darsteller auf der Bühne hätten ein volles Haus verdient..

Elena Habermann

 

 

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