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WIEN/ Volksoper: DER MANTEL / GIANNI SCHICCHI

11.04.2013 | KRITIKEN, Oper

Eindrücke aus der VorstellungDer Mantel/Gianni Schicchi“ an der Wiener Volksoper am 10.4. 2013

 Große Arien kann man in dem Einakter „Der Mantel“ von Giacomo Puccini kaum hören. Dafür aber charakterisiert der Komponist mit Knappheit, aber mit äußerster Treffsicherheit die Personen des Stücks und die Welt, in der sie leben.

Dafür bedarf es aber ausgezeichneter Sängerdarsteller. Und gerade diese kann man im Ensemble der Wiener Volksoper finden.

Ich beginne gleich mit der kleinen, aber sehr wichtigen Rolle des Hering, eines Trinkers, der all sein Leid – seine Frau betrügt ihn –und seine berufliche Perspektivlosigkeit  in Alkohol zu ertränken sucht.  Wenn man beobachtet, wie Karl-Michael Ebner, der Sänger des Hering, reagiert, als der Tagelöhner Luigi in seiner großen Szene von der Tristheit und Ausweglosigkeit des Arbeiterlebens zu singen beginnt („Immer müssen wir schuften und uns beugen und kommen doch zu nichts“), bekommt man einen Eindruck, was Darstellung sein kann.

Und nun zu Michael Bedjai, dem Darsteller eben jenes Luigi. Er ist für diese Rolle geradezu eine Idealbesetzung, sowohl von seiner äußeren Erscheinung als auch von seinen schauspielerischen und gesanglich-stimmlichen Qualitäten. Ein wirklicher Sänger-Darsteller, was er ja schon 2012 als Canio in „Der Bajazzo“ bewiesen hat.  Er ist ein Sänger, der die dargestellten Figuren wirklich zum Leben erweckt. Und natürlich muss man auch die exemplarische Textverständlichkeit erwähnen, mit der er singt.

Dass ihm  am Ende des Duetts mit Giorgetta, von Melba Ramos mit schöner, voluminöser Stimme gesungen, die hohe Schlussphrase nicht ganz gelingt, kann man dabei fast vernachlässigen.

 Trotz gesundheitlicher Beeinträchtigung konnte Alik Abdukayumov den Schiffer Michele sehr qualitätsvoll gestalten. Es ist
überhaupt immer eine Freude, den Künstler, der eine so edle, warme Stimme besitzt,  auf der Bühne zu erleben. Man muss ihm, aber besonders uns, dem Publikum , wünschen, dass er sein großes darstellerisches und gesangliches Potenzial voll entfalten können wird.

Im zweiten Stück des Abends „Gianni Schicchi“ hat das gesamte Ensemble diese einzige Komödie Puccinis sehr köstlich gestaltet. Martin Winkler war ein  überzeugender und wie aus dem Leben gegriffener Gianni; er ist wirklich ein Erzkomödiant.
Zum erstenMal konnte ich Yitian Luan an der Wiener Volksoper hören. (Ich habe sie ja schon in Dresden in der Oper „Viva la Mamma“ gehört , wo sie sehr beeindruckt hat. Diese Produktion wurde damals vom Wiener Opernimpresario Josef Hussek organisiert- A. Abdukayumov hat dort übrigens die Hauptrolle Mamm´Agata gesungen)

Ja, und auch bei Gianni Schicchi  hat Frau Luan mit ihrer schönen Stimme die Lauretta sehr musikalisch gesungen und für ihre Arie „ O mio babbino caro“ verdient einen Sonderapplaus erhalten .

 Christoph Karner

 

 

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