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WIEN/ VOLKSOPER: CABARET – Wenn einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Premiere

16.09.2019 | Operette/Musical

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Wien/ Volksoper

WENN EINEM DAS LACHEN IM HALSE STECKEN BLEIBT: SUPER-ERFOLG MIT „CABARET“(14.9.2019)

Es beginnt turbulent – das 1966 am Broadway uraufgeführte Musical „Cabaret“ von John Kander und Fred Ebb ist ein typisches Produkt der 68-Bewegung. Freiheit und Individualismus auf der einen Seite – und dagegen die braunen Schatten der Vergangenheit – haben auch die Filmversion von 1972 – mit Liza Minelli –  zu einer fsazinierenden Momentaufnahme des Berlin in dem frühen 30er Jahre .befördert. Niemand hätte aber damals damit gerechnet, dass einem 50 Jahre später das Lachen wieder im Halse stecken bleiben würde, wenn der naiv-biedere US-Schriftsteller Sally Bowles( sehr glaubhaft Jörn Felix Alt) im Berlin während der NS-Machtergreifung 1933 kapiert wie es in Deutschland weitergehen  wird. Die Produktion der Volksoper ist ein fulminanter Erfolg, wie er noch selten am Währinger-Gürtel zu erleben war. Und der Super-Erfolg hat mehrere Gründe: „Cabaret“ benötigt echte Stars und die Volksoper kann damit aufwarten: Bettina Mönch als Sally Bowles hat sich schon in der Zarah Leander-Produktion „Axel an der Himmmelstür“ zu einem Publikumsliebling entwickelt. Diesmal zieht sie alle Register ihres Könnens: sie singt mit Totaleinsatz, wirft die Beine – kurzum: jetzt ist sie zum  Wiener Superstar avanciert.  Der Jubel ist phänomenal! Und der Applaus sprengt alle Grenzen. Die Gegen-Position zum Kit-Kat-Klub – mit Life-Ball-Athmosphäre findet man bei dem Liebespaar – dem jüdischen Obsthändler Schultz –  sehr eindringlich  und „still“ gespielt vom Hausherrn Robert Meyer und der Pensions-Betreiberin „Fräulein Schneider“- sehr glaubhaft Dagmar Hellberg. Dann ist der Conferencier  eine Schlüsselrolle: Ruth Brauer-Kwon ist – zumindest im Klub ständig im Bild. Gefährlich aktuell und ein geschlechtsloses „Irrlicht“: Peter  Lesiak spielt einen erschreckend vitalen Ober-Nazi „Ernst Ludwig“.Dazu kommt eine tolle Volksopern-Orchester-Leistung unter dem Dirigat von Lorenz C. Aichern.

Die Regie von Gil Mehmert (Bühne Heike Meixner) ist praktikabel und die Choreographie von Melissa King perfekt. Jedenfalls hat  sich die Volksoper mit diesem Start die Latte für diese Saison sehr hoch gelegt. Und Bettina Mönch – sie muss man als Sally Bowles einfach erlebt haben. Und die aktuelle Diskussion über „Umvolkung“ wird man vielleicht in einen anderem Kontext verfolgen!

Peter Dusek

 

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