Online Merker Logo

Die internationale Kulturplattform

WIEN/ Volksoper: BLAUBARTS GEHEIMNIS / Staatsballett mit GENDERSTUDIES À LA MODE

13.01.2013 | Ballett/Tanz, KRITIKEN

11.1.2013: „BLAUBARTS GEHEIMNIS“ – das Wiener Staatsballett mit Rollendebuts in der Volksoper

GENDERSTUDIES À LA MODE

 Eine exzellent getanzte Aufführung, reich an voll ausgelebten Emotionen. Das moderne zweiteilige, mit Psycho-Chiffren überladene Tanzstück von Stephan Thoss zu einer Musikcollage aus Werken von Henryk Górecki und Philip Glass vermag auch an Repertoire-Abenden das Publikum anzusprechen. Allerdings, der Betrachter von „Blaubarts Geheimnis“ muss sich schon recht mutig wagen, sich in solch ein Labyrinth an zeitgeistigen tänzerischen Manieriertheiten fallen zu lassen. Doch Gestalter Thoss zieht mit kraftvoller Intensität und überbordenden Bewegungskombinationen sein Geschlechterkampf-Spiel konsequent und mit langem Atem durch. Die Qualitäten der sich in ständigem Bewegungsfluss befindenden Choreografie wie der tänzerischen Leistungen überzeugen. Also, wer mitgeht, wer sich auf die eine oder andere der hier immer wieder verlaufenden Spuren des mehrdeutigen Blaubart–Mythos zu heften vermag, darf einen spannenden Abend erleben. Auch wenn selbst die Tänzer herumrätseln, nicht so klar sagen können: Sind wir jetzt Schattengestalten, sind wir hier Lebende oder Getötete?

Als quicklebendige Interpreten stehen sie jedenfalls auf der diffus ausgeleuchteten Bühne. Und absolut überzeugend präsentierten sie sich bei ihren Rollendebüts: Eno Peci ist der ratlos nach Beziehungen Ausschau haltender Blaubart, gleichsam isoliert, ohne eindeutige Konturen charakterisiert; Rafaella Sant´Anna als Blaubarts Mutter, scharf gezeichnet, in ihrer mütterlichen Verklemmtheit suggestiv sein sexuelles Schicksal beeinflussend; Davide Dato als das Alter Ego des Titelhelden, das sich im Gegensatz zu ihm mit aller tänzerischer Eleganz ausleben darf. Und seit der Premiere weiter hineingewachsen ist Alice Firenze in ihre Rolle als die voll mädchenhafter Sehnsucht nach fürsorglicher Partnerschaft suchende Judith. Unser Tip, um sich da im Gewirr der Verflechtungen, Verknotungen an erotischen Momenten und psychischen Empfindlichkeiten schlussendlich schlau zu machen: Es zielt auf Genderstudies hin, dräuende und à la mode.

Meinhard Rüdenauer

 

 

Diese Seite drucken