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WIEN/ Volksoper: AXEL AN DER HIMMELSTÜR. Premiere

18.09.2016 | Operette/Musical

AXEL AN DER HIMMELSTÜR – Premiere Volksoper am 15.9.2016

(Heinrich Schramm-Schiessl)

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Das war die „Ur-Besetzung“

Etwas mehr als vor 80 Jahren, konkret am 1. September 1936 fand die Uraufführung dieser Operette Ralph Benatzkys im Theater an der Wien statt und brachte über Nacht den Durchbruch der schwedischen Sängerin und Schauspielerin Zarah Leander, die eine der berühmtesten Filmschauspielerinnnen der späten 30er-, sowie der 40er- und 50er-Jahre werden sollte, in der Rolle der Gloria Mills.

Das Stück handelt von dem verkrachten Reporter Axel Swift, der in einer Story über die Hollywood-Diva Gloria Mills, die gerade eine Sinnkrise durchläuft, seine große Chance sieht. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ihm jedes Mittel recht. Die Himmelstüre ist demnach der Eingang ins Boudoir der Diva. Die Grundtendenz der Handlung ist der Versuch einer Ironisierung Hollywoods am Scheideweg zwischen Stumm- und Tonfilm. Das Werk hat zwar eine durchaus schwungvolle Musik und enthält einige, heute zum Teil bereits vergessene, Schlager. An frühere grosse Erfolge Benatzkys, wie „Im weissen Rössl“ oder „Meine Schwester und ich“, reicht es allerdings nicht heran, dazu ist nämlich die Dramaturgie zu schwach. Dass das Werk praktisch nicht mehr in den Spielplänen auftaucht, erscheint irgendwie verständlich.

Die nunmehrige Produktion der Volksoper ist durchaus geschickt gemacht. Die Inszenierung stammt vom selben Team, das 2013 mit „Frau Luna“ erfolgreich war. Regisseur Peter Lund inszeniert das Werk wie einen Schwarz-Weiss-Film, d.h. sowohl Dekorationen als auch Kostüme sind in Weiss-Grau-Schwarztönen gehalten. Ganz gelingt es nicht, da Gesicht, Arme und Beine der Protagonisten nicht so geschminkt werden konnten, dass man die echte Haut nicht sieht. Die Dekorationen von Sam Madwar beschränkten sich auf einige Versatzstücke auf der Bühne und Standbild- bzw. Videosequenzen, die den jeweiligen Ort der Handlung illustrieren. Die Kostüme von Dania Kornysheva sind kleidsam und die Choreopgraphie von Andrea Heil war durchaus einfallsreich und lebendig.

Dass man mit dem Abend dann doch nicht wirklich glücklich wurde, lag neben den Schwächen des Stückes an der Besetzung der zentralen Rolle der Gloria Mills. Bettina Mönch hatte leider zu wenig Persönlichkeit um den teils kapriziösen, teils hysterischen Charakter dieser Frau, die allerdings auch Angst vor Alter und Erfolglosigkeit hat, über die Rampe zu bringen. Sie bemühte sich zwar sehr, aber es wirkte alles etwas aufgesetzt und einstudiert. Leider blieben auch stimmlich, besonders in den Forte-Stellen, einige Wünsche offen. Sehr überzeugt hat mich hingegen Andreas Bieber als Axel Swift. Es gelang ihm sehr symphatisch diesen erfolglosen Journalisten als eine Art Underdog zu charakterisieren. Dazu kam ein sehr lebendiges Spiel und auch stimmlich konnte man zufrieden sein. Johanna Arrouas war sowohl darstellerisch als auch sängerisch eine sehr gute Jessie Leyland. Sie stach, was die Persönlichkeit betrifft, die Hauptrollensängerin durchaus aus. Dazu kam ein quirliges Spiel und eine tadellose stimmliche Leistung. Boris Eder bot als Friseur Herlinger eine sehr ambitionierte Gesamtleistung und Gerhard Ernst war ein persönlichkeitsstarker Kriminalinspektor. Mit Kurt Schreibmayer als Filmproduzent und Richter konnte man ebenfalls zufrieden sein. Den übrigen Beteiligten gebührt ein Pauschallob.

Das Orchester unter der Leitung von Lorenz C. Aichner spielte sehr schwungvoll.

Dem Publikum hats wie immer gefallen. Viel Jubel für alle.

Heinrich Schramm-Schiessl

 

 

 

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