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WIEN/ Volksoper: AXEL AN DER HIMMELSTÜR – Alternativbesetzung. Diesmal in Zarah Leander-Nähe

05.10.2016 | Operette/Musical

Volksoper Wien: DIESMAL IN ZARAH LEANDER-NÄHE: „AXEL AN DER HIMMELSTÜR“ BEGEISTERT AUCH MIT DER ALTERNATIV-BESETZUNG (4.Oktober 2016)

Die Premiere  von „Axel an der Himmelstür“ am 17.September 2016 war ein „rauschender“ Erfolg  der Wiener Volksoper. Das „musikalische Lustspiel“ von Ralph Benatzky, mit dem im Jahr 1936 der Stern von Zarah Leander im  Raimundtheater kometenhaft aufging, wurde dank einer idealen Besetzung und einer hinreißenden Produktion des Berliner Operetten- und Musical-Spezialisten Peter Lund zum Volksopern-Triumph (samt sich überschlagenden Kritiken). Star des Abends war die deutsche Musical-Spezialistin Bettina Mönch. Sie überzeugte in der Rolle des an Greta Garbo erinnernden Film-Stars Gloria Miller durch Erotik, Charme und virtuoses tänzerisches Spiel. Gemeinsam mit dem Landsmann Andreas Bieber als Axel Swift verkörperte sie ein Traumpaar von heute, das in keiner Weise an die Urbesetzung Zarah Leander und Max Hansen erinnerte. Der Hauptschlager „Gebundene Hände“ wurde geradezu lyrisch-elegisch vorgetragen. Ohne pastose Tiefe wie bei der Diva aus Schweden. Inzwischen  steht eine Alternativ-Besetzung zur Verfügung, bei der die Männer gleich blieben und nur die beiden Hauptrollen-Sängerinnen ausgetauscht wurden.

Die Wiener Sopranistin Julia Koci, die sowohl Cherubin wie Valencienne im Repertoire hat, rückt den „Ohrwurm“ der „Gebundene Hände“, die das Ende jeder großen Liebe sein sollen, vokal durchaus in die Nähe von Zarah Leander. Und auch der zweite Hit – „Yes Sir“  – erinnert an die Film-Diva, die in der NS-Ära zum Superstar avancierte und für ihre baritonalen Tiefen bekannt war. Während sich Bettina Mönch dem exzentrischen Hollywood-Star vor allem von der tänzerischen Seite nähert und auch ihr komisches Talent ausspielt, bleibt Julia Koci in der Nähe des Uraufführungs-Idols. Sie beklagt die „Liebessklaverei“, die zu den Ketten der Ehe oder einer festen Bindung führen, mit warmer, dunkel-samtiger Stimme. Und passt sich der phantasiereichen Produktion von Peter Lund (Ausstattung Sven Madwar, Video-Graphik Andreas Ivancsics, Kostüme Daria Kornysheva) an. Auch die zweite Umbesetzung gegenüber der Premiere hält jeden Vergleich aus: Juliette Khalil, ebenfalls eine Wienerin, ersetzt  vollwertig Johanna Arrouas als Jennie. Sie wirkt mehr skurril und „schärfer“. Gemeinsam mit Boris Eder als Theodor bildet sie ein köstliches Buffo-Paar. Der Rest blieb gleich. Der junge Lorenz C. Aichner steht am Pult des Orchesters der Volksoper Wien, Kurt Schreibmayer ist ein eleganter Filmproduzent und Richter. Gerhard Ernst verkörpert einen etwas tollpatschigen Polizisten. Stefan Bischoff, Jakob Semotan, Oliver Liebl, Roman Martin und Maximilian Klakow sind  als „Hollywood Harmonists“ ein wunderbarer „Verschnitt“ der Comedian Harmonists. „Axel an der Himmelstür“ muss man erlebt haben. Egal ob mit der tänzerischen Verve von Bettina Mönch oder mit mehr Zarah Leander-Nähe und Julia Koci. Der „Axel an der Himmelstür“ ist ein Paradebeispiel dafür, wie auch mit der neuen Computer-Technik  Phantasie und Humor verbreitet werden können.

Peter Lund sollte nicht nur Musicals und Operetten inszenieren!

Peter Dusek

 

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