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WIEN / Vienna’s English Theatre: FOX ON THE FAIRWAY

06.06.2015 | KRITIKEN, Theater

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Fotos: Reinhard Reidinger

WIEN / Vienna’s English Theatre: 
FOX ON THE FAIRWAY von Ken Ludwig
Premiere: 26. Mai 2015,
besucht wurde die Vorstellung am 5. Juni 2015 

Der amerikanische Dramatiker Ken Ludwig ist in deutschen Landen kein Unbekannter, wenn auch nicht auf der breiten Basis wie in seiner Heimat, wo er mit jeder Menge von (teils mit hohen Auszeichnungen bedachten) komödiantischen Stücken unterwegs ist.

Wir kannten bis dato nur zwei, aber die hatten es in sich: „Othello darf nicht platzen“, sein Erstling (Lend me a tenor), war schon 1990, ein Jahr nach der Uraufführung, in den Kammerspielen ein Sensationserfolg – mit Otto Schenk (der dabei das „Kappl“ trug, das Pavarotti ihm geschenkt hatte) als launischem, typisch italienischem Tenor bei einem Met-Gastspiel, hatte man einen Erfolg, der sich über zehn Jahre lang (!) im Spielplan hielt. Denn von Oper versteht man ja etwas hierzulande.

„Cyrano in Buffalo“ (Moon Over Buffalo 1995), auch in den Kammerspielen gezeigt, konnte dann an den Riesenerfolg nicht ganz anschließen, obwohl es eigentlich so komisch war wie der Erstling: Man sah ein alterndes, zankendes Schauspielerehepaar bei einer Nachmittagsvorstellung des „Cyrano de Bergerac“ in Buffalo, wo alles schief geht. Immerhin spielte das Stück auf dem Theater, und damit kann man einem Wiener Publikum auch kommen.

Aber wer spielt schon Golf? Natürlich, ein paar Superreiche und ein paar Enthusiasten, aber ein Volkssport ist es nicht gerade, die Kenntnis der Feinheiten kann man wohl in breiten Kreisen nicht voraussetzen – wenn man nicht einmal weiß, was ein „Fairway“ ist. Aber im Internet kann man es nachschlagen und erfahren, dass es ein Stück des Golfplatzes ist – Das Fairway ist der kurz gemähte Bereich einer Spielbahn zwischen Abschlag und Grün und nimmt somit unter den bespielbaren Flächen des Golfplatzes den größten Raum ein. Fairways können gerade verlaufen oder bis zu zwei Doglegs aufweisen. Gelegentlich wird ein Fairway auch unterbrochen von Gräben, Wegen, Rough-Flächen, Seen oder anderen Elementen, die überspielt werden müssen. In seltenen Fällen gibt es sogar zwei Fairways, die auf verschiedenen Wegen zum Grün führen. Na! Jetzt – Wikipedia sei ausdrücklich gedankt! – kennen wir uns aber aus!

Es ist also nicht ohne Risiko, eine Komödie zu spielen, die in der Golfwelt spielt, wo sicher ein großer Teil des Publikums „Bahnhof“ versteht, wenn es um die Sache selbst geht (die wie Fußball und Skifahren, Tennis und Formel 1, wie letztlich jede Sportart ihr eigenes Vokabular hat). Aber ist es nicht egal? Denn im Grunde sorgt der Autor wieder für eine irrwitzig verrückte Komödie, wo es zwar um den Sieg bei einem Turnier (nämlich um hohe Summen gewetteten Geldes), aber eigentlich um die köstlichen Typen geht, die da auf der Bühne herumwieseln.

Das Ganze erscheint britisch, aber der „Quail Valley Country Club“ liegt wohl in den USA, man schreibt die sechziger Jahre, das „Annual Inter-Club Golf Tournament“ mit der freundschaftlich-verfeindeten Nachbar-Mannschaft steht an, und es wird so wichtig genommen wie dergleichen immer. Ken Ludwig bringt drei Paare auf die Bühne, zwei ältere (die am Ende beglückten Partnertausch betreiben) und ein junges. Und wo die jeweils leitenden Herren der Clubs zu Beginn versuchen, einander trickreich zu betrügen, muss Henry Bingham dann mit harten Bandagen kämpfen, als man ihm seinen „Star“ stiehlt und er in der Verzweiflung seinen neuen Assistenten in den Kampf schickt. Der ist zwar ein Golf-Talent, allerdings ein solches Nervenbündel, dass er bei jeder Gelegenheit ausflippt und keine Leistung mehr erbringt – und wenn die Verlobte irrtümlich den Ring seiner Großmutter im Klo hinunter spült, ist höchste Anspannung angesagt…

Von da an scheut Ken Ludwig keinen Karacho-Effekt, bis am Ende sogar ein adoptiertes Kind Vater und Mutter zugleich findet (Figaro bei Mozart ist da ein Klacks dagegen), und sich die tollsten Verrenkungen ergeben, um die jungen Leute, die ihre Missverständnisse pflegen, zu besänftigen, damit man das Turnier doch noch gewinnen kann. Keine Frage, dass da natürlich auch der Slapstick-Wahnsinn ausbricht, den dieses Genre verlangt. Und manche köstliche Parodie, etwa der berühmten finalen Tanzszene aus „Some like it hot“.

Justin, der hysterische junge Mann, und Louise, seine nicht minder schrill-zickige-herzige Liebste, sind dabei mit zwei Schauspielern besetzt, die jeden Wettbewerb extremer Stimmlagen, Gekreisches und Gequakes in höchsten Tönen  gewinnen könnten – was Jonathan Cobb und Rhiannon Chesterman (er auch noch mit körperlichen Verrenkungen) da leisten, das ist schon die hohe Schule der Farce.

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Etwas eleganter geben es Bingham (Jeffrey Harmer) und die elegant süffisante Pamela (Amanda Osborne), die sich dann als Kindeseltern herausstellen, während der rundlich-boshafte Dickie (Julian Eardley) und vor allem Muriel das grob gestrickte Paar sind: Wie Annie Walker da das Klischee einer donnernden Schreckschraube auf die Bühne knallt, ist hohe Schule der Übertreibung.

Philip Dart hat das in einem nicht allzu luxuriösen Countryclub Bühnenbild von Andrew Greenfield flott und pointiert über die Bühne geschickt, wobei der Holzhammer hier integraler Bestandteil des Werks ist, und warum das Programm noch einen Movement Director (Sally Brooks) verzeichnet, wird am Ende klar, wenn als Belohung für den Applaus die zwar nicht neue, aber immer wieder komische und natürlich sehr virtuose Version des „schnellen Durchlaufs“ durch das Geschehen geboten wird.

Also, auch wenn man nichts von Golf versteht, erwartet einen hier ein drastischer Komödienabend. Nur Englisch sollte man halt können.

Renate Wagner  

Noch bis 3. Juli 2015, täglich außer Sonntag

 

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