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WIEN / Theatermuseum: HEINRICH VON KLEIST

01.02.2012 | Ausstellungen
WIEN / Theatermuseum:
HEINRICH VON KLEIST 
Vom 20. Oktober 2011 bis 9. April 2012
EIN FREIER MENSCH BLEIBT NICHT…
 
Betritt man das Theatermuseum am Lobkowitz-Platz, so wird man von einem Plakat hereingelockt, das zwar den Namen „Kleist“ verspricht, aber das Gesicht des Mannes nur ganz verschwommen zeigt. Symbol für eine Existenz, die kurz irrlichterte und sich dann freiwillig auflöste. Immerhin, gleich im Vorraum kann man auf einer großen Wand sehen, was die Ewigkeit dieses Heinrich von Kleist ausmacht: Da sind Adam, Käthchen, der Homburg. Er war und bleibt einer der großen Dramatiker deutscher Sprache, und er hat aus seinem persönlich unglücklichen Leben, das er vor 200 Jahren, am 21. November 1811 mit eigener Hand beendete, Unsterbliches hinterlassen.
 
Von Renate Wagner
 
Heinrich von Kleist     Geboren am 10. Oktober 1777, stammte Heinrich von Kleist aus einer preußischen Offiziersfamilie. Es war nicht zuletzt sein Versuch, nach den hoch gestreckten Idealen dieser Kaste zu leben, der ihn vernichtete. Weder in der Armee noch auf der Universität fühlte er sich wirklich zuhause, weder ein unstetes Reiseleben noch der Staatsdienst gab ihm Befriedigung. Ein von Nervenkrisen geschüttelter Künstler fühlte nur im Gedanken an den Tod, den er wie ein Fest zelebrierte, Glück.
 
Tod am Wannsee    Noch bis zum Sommer war das Grab am Wannsee, wo er und Henriette Vogel ruhen, die mit ihm in den Tod ging, eine poetisch-verfallene, fast vergessene Stelle, zu der man sich als Besucher auf vergessenen Nebenstraßen begeben musste. Inzwischen wurde das Grab saniert. Es erinnert an einen Künstler, der sagte, dass „ein freier, denkender Mensch“ nicht da stehen bleibe, „wo der Zufall ihn hinstößt“. In der Welt, in der er lebte, wollte er sich nicht dauerhaft niederlassen. Dass er selbst nicht erkannte, dass er in seiner Dichtung Heimat gefunden hatte, brachte ihn zu seinem selbst gewählten Ende im Alter von nur 34 (!) Jahren.
 
Die Ausstellung in Wien     Die Ausstellung im Wiener Theatermuseum, in den beiden Räumen des Untergeschoßes ausgerichtet, orientiert sich an dem „verschwommenen“ Bild, das man für Plakat und Prospekt gewählt hat (Katalog gibt es leider keinen): Die Kuratoren Anette Handke und Andreas Kugler folgen nicht den fassbaren Stationen eines zerrissenen Lebens, sondern gehen Kleist eher impressionistisch nach, bietet an den Wänden viel zu lesen, vor allem aus seinen Briefen. Man folgt den Reisen, die ein unsteter Unglücklicher durch ein unstetes, unglückliches, von den Napoleonischen Kriegen zerrissenes Europa unternahm. Die Ausstellung bietet eines der wenigen Originalmanuskripte von Kleist (ein Autograph des „Zerbrochnen Krugs“), sie erinnert mit dem Theaterzettel des „Käthchens von Heilbronn“ daran, dass dieses Stück immerhin in dieser Stadt, 1810 im Theater an der Wien, uraufgeführt wurde.
 
Faszinosum Kleist    Die Auseinandersetzung von Künstlern mit Kleist setzt einige interessante Schwerpunkte – so gibt es etwa Beispiele aus dem Zyklus von Kaltnadelradierungen, die Oskar Kokoschka der „Penthesilea“ gewidmet hat. Auch Horst Janssen, Max Slevogt setzten sich mit Kleist auseinander. Wien hat nun die Ausstellung – was fehlt, ist die Auseinandersetzung auf dem Theater, sieht man vom „Krug“ des Burgtheaters ab. Aber das war, auch wenn man es in keiner Weise gering schätzt, ja immer das Stück, mit dem es Kleist der Nachwelt am leichtesten gemacht hat. Wie wäre es, wenn man sich wieder einmal dem schwierigen Kleist stellte?
 
Theatermuseum, bis 9. April 2011, täglich außer Dienstag 10 bis 18 Uhr
 
 

 

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