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WIEN / Theater im Zentrum: FREAK

23.04.2015 | KRITIKEN, Theater

Theater der Jugend / Theater im Zentrum • Freak 
Foto: Theater der Jugend

WIEN / Theater der Jugend im Theater im Zentrum:  FREAK von Rodman Philbrick
Premiere: 21. April 2015,
besucht wurde die Voraufführung

Im Anfang war ein Roman, und dieser dürfte Josefstadt-Schauspielerin Sandra Cervik dermaßen beeindruckt haben, dass sie ihn bearbeitete und zu ihrem Regiedebut wählte. Das Wiener Theater der Jugend war ideale Anlaufstelle, erzählt „Freak the Mighty“ von  Rodman Philbrick (1993 erschienen) doch die Geschichte zweier Schüler.

Aber eben keine gewöhnlichen, sondern eher ungewöhnliche Schicksale: Max ist ein ungeschlachter, nicht sonderlich schlauer Riesenjunge, so dass er geradezu zwangsläufig zum Opfer von Mobbing und Attacken wird, und Kevin hat eine schwere Krankheit, die ihn zum Behinderten und Krüppel macht.

Die Außenseiter schlechthin, die sich zusammenschließen: Wenn Kevin auf den Schultern von Max reiten darf, hat er einen Körper, wenn Max zuhört, was der superintelligente Kevin ihm alles sagt und beibringt, bekommt er so etwas wie Verstand in seinen Kopf… Ein seltsames Paar, die beiden, aber eines, das natürlich sofort die Gunst des Publikums auf sich zieht.

Dabei ist es natürlich, das muss man offen sagen, eine Geschichte, die von Klischees strotzt, bis zum tragischen Ende, und dazwischen noch dicker aufträgt, als es legitim sein sollte (wenn etwa der böse Vater von Max aus dem Gefängnis auftaucht und den Sohn fesselt und knebelt) – aber entscheidend ist doch eines: Dass ein jugendliches Publikum im Theater im Zentrum gespannt zusah und am Ende wirklich heftigen Beifall spendete. Weil nämlich Außenseiter-Geschichten, zumal, wenn sie so vordergründig tragisch und traurig sind, offenbar automatisch funktionieren…

Die Inszenierung von Sandra Cervik bietet in einem halb abstrakten Bühnenbild von Miriam Busch einfach sauberes Handwerk und funktioniert vor allem, weil sie die beiden  Außenseiter schlechtweg ideal besetzen konnte. Stefan Rosenthal als verkrüppelter Kevin erinnert tatsächlich (!) an die Meisterschaft, mit der Eddie Redmayne im Kino das Krüppel-Genie Stephen Hawking dargestellt hat, so perfekt krümmt er seinen Körper, so locker lässt er seinen Geist strahlen. Und die Hilflosigkeit von Benedikt Paulun als Max zerreißt einem glatt das Herz.

An Nebenfiguren, wie Pilar Aguilera  sie spielt, merkt man die Neigung der Regisseurin zur Übertreibung, aber die Haupthandlung, die Interaktion zwischen den beiden seltsamen „Helden“ stimmt. Das honorierte auch das Publikum.

Renate Wagner

 

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